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Besonders junge Frauen definieren sich über die Social Networks - Foto: Vitaly Garlev on Unsplash

„Social Media Illusions“

Im Sozialen Netz ticken die Menschen unterschiedlich

Kaum etwas wird aktuell so kontrovers diskutiert wie die allgegenwärtigen Social-Plattformen. Während die einen ein Verbot für zumindest Kinder und Jugendliche bis zwischen 13 und 16 Jahren fordern, shiften die werbetreibenden Unternehmen immer größere Teile ihrer Budgets direkt in Richtung Meta, Amazon, Alphabet & Co.

Mehr noch: die Plattformen verzeichnen - zumindest offiziell – immer höhere Nutzerzahlen. Was die Diskussionen um Fake News, Hate Speech sowie Filterblasen und die damit einhergehende Gefahr für die Demokratie weiter anheizt.

Um zu verstehen, inwieweit sich Algorithmen, Filterblasen und inszenierte Inhalte tatsächlich auf das Selbstbild, die Meinungsbildung und das Verhalten der Nutzer sowie auf die Kommunikation auswirken, haben die Datenexperten der zu Omnicom Media gehörenden Einheit Annalect nun im Rahmen ihrer Studie „Social Media Illusions“ untersucht.

Die Erkenntnis daraus ist so vielschichtig wie die Menschen auf unserem Planeten. Befragt wurden die Probanden in zwei Teilen. Im ersten Teil wurden 24 Menschen, die mindestens zwei Stunden täglich in den sozialen Medien verbringen, in 90-minütigen Einzelinterviews befragt. Hier ging es darum herauszufinden, welche Rolle Social Media für Selbstbild, Alltagsgestaltung und Informationsverhalten spielt. Zudem wurden kritische Themen wie Fake-Accounts, Deep Fakes und Überforderung sowie die Strategien der Interviewpartner zur Bewältigung abgefragt.

Im zweiten Teil ging es darum, auch quantitativ einen Überblick über die Themen zu bekommen. Hier wurden 2.065 Menschen zwischen 14-49 Jahren, mit einer mindestens einstündigen Social-Media-Nutzung täglich online befragt.

Beide Teile zusammengenommen ergab, dass das Thema vielschichtiger ist, als gemeinhin diskutiert. Denn so unterschiedlich wie die Menschen nun einmal sind, ist auch der Einfluss, den die Social-Media-Nutzung auf sie hat.


Foto: Annalect

So gaben beispielsweise 34 Prozent der Studienteilnehmenden an, die Nutzung von Social Media habe ihr Selbstbewusstsein gestärkt. Als Grund nannten sie, dass unterschiedliche Vorbilder empowernde Inhalte verschiedene Körper, Identitäten und Lebenswege sichtbar machen, die sich dann andersherum positiv auf Selbstbewusstsein der Probanden auswirken würde. Auf der anderen Seite meinten aber mit einem Drittel nahezu gleichviele Probanden, sich regelmäßig auf den Social-Plattformen zu vergleichen. Auffällig war allerdings, so die Studienautoren, das genau zu diesem Drittel, also zu den 34 Prozent, die inszenierte Inhalte und perfekte Online-Lebensentwürfe und den daraus entstehenden sozialen Vergleichsdruck, insbesondere die jüngeren Befragten gehören und hier überdurchschnittlich viele Frauen. Das Gefährlich daran sein, dass die eigenen Emotionen dabei oft die rationale Erkenntnis, dass Social Media nicht die Realität abbildet, überlagerten.

Jens Barczewski, Managing Partner Media Research bei Annalect: „Social Media ist heute ein Raum voller Gegensätze und spiegelt unsere Gesellschaft wider, inspirierend, aber auch irritierend, persönlich, aber zugleich stark kommerzialisiert.“

Großes Thema Hate Speech

Dazu passt auch, dass Hate Speech bei mehr als der Hälfte der Befragten (56 Prozent) präsent ist und sich mehr als jeder Zweite (55 %) dadurch beeinträchtigt fühlt. Konkret war laut Studie jeder Fünfte sogar selbst Ziel eines Hasskommentars. Wobei es auch hier wieder eher die jüngeren als die älteren Probanden betroffen zu haben scheint.

Der Umgang mit Hate Speech verhält sich annähernd analog zur vielschichtigen Social-Media-Nutzung: Knapp ein Drittel (30 %) der Befragten gab an, etwaige Hasskommentare bislang ignoriert zu haben. Für 20 Prozent der Befragten gehören Hasskommentare zum Unterhaltungsfaktor in den Sozialen Medien. Gut der Rest (53 %) gab an, schon einmal versucht zu haben, gegen Hate Speech anzugehen – allerdings mit überschaubarem Erfolg.


Foto: Annalect

Ein größeres Problem als mit Hate Speech scheinen die Studienteilnehmer mit Fake News zu haben. 78 Prozent ordneten im Rahmen der Befragung Fake News als ernstes Problem ein. 77 Prozent fordern sogar strengere Maßnahmen.

Dennoch gaben andersherum 30 Prozent der Befragten Social Media als ihre zentrale, mithin meist konsumierte Nachrichtenquelle an. Wenigstens gaben 70 Prozent von ihnen vor, die Quellen gegenzuchecken. Wobei der kolportierte Faktencheck fragwürdig zu sein scheint. Denn 58 Prozent derer, die meinten einen Faktencheck durchzuführen, stützen sich auf die Kommentare zu den Beiträgen, 25 Prozent begnügen sich gar mit der Nazahl an Likes und Shares als Idikator für Vertrauenswürdigkeit.

Entsprechend fällt Jens Barczewskis Fazit aus: „Social Media ist heute ein Raum voller Gegensätze und spiegelt unsere Gesellschaft wieder, inspirierend, aber auch irritierend, persönlich, aber zugleich stark kommerzialisiert. Für Marken entsteht daraus eine Chance – wenn sie verstehen, was Nutzer wirklich bewegt. Unsere Studie zeigt klar, dass Vertrauen zum entscheidenden Erfolgsfaktor wird.“

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