
Der BLM-Präsident Dr. Thorsten Schmiege warnt vor "digitalen Informationswüsten" - Foto: Gaby Hartmann
BLM-Präsident Schmiege fordert Schutzschirm für Informationsfreiheit
Social-Media-Plattformen entwicklen sich mehr und mehr zu Gatekeepern. Mit ihren Algorithen entscheiden sie darüber, welche Information sichtbar werden. In diesem Zusammenhang warnt Dr. Thorsten Schmiege, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM),vor "digitalen Informationswüsten".
Was nutzt das beste Informationsangebot, wenn es im Feed herausgefiltert oder durch Empörung und einseitige Meinung verdrängt wird? Laut Dr. Thorsten Schmiege ist es notwendig, journalistische Angebote in Empfehlungsalgorithmen besser auffindbar zu machen. Man dürfe es nicht den Plattformen überlassen, die Auswahl darüber, was verlässliche Information ist, nach ihren eigenen Interessen vorzunehmen. Erforderlich sei ein transparentes, allen professionell recherchierten Angeboten offenstehendes Auswahlverfahren.
Dr. Thorsten Schmiege: "Wir brauchen eine informierte, keine meinungsgetriebene Öffentlichkeit. Deshalb darf Informationsvielfalt nicht weiter an der Logik von Empfehlungsalgorithmen scheitern, die radikale und emotionalisierende Inhalte systematisch bevorzugt. Es ist geboten und richtig, dass die Länder Information in Empfehlungssystemen stärker verankern wollen. Vielfaltssichernd, transparent und unabhängig überprüfbar - im Sinne unserer Demokratie müssen wir die Grundprinzipien aus dem Rundfunkbereich in die digitale Welt übertragen. Es ist wichtig, Presse- und Meinungsfreiheit vor den kommerziellen und teilweise politischen Interessen marktmächtiger Plattformen zu schützen."
Social Media steuert Information für junge Menschen
Zahlrecihe Studien belegen, dass die Bedeutung von Social Media für die Information junger Menschen seit vielen Jahren wächst. Nach dem aktuellen Info-Monitor der Medienanstalten nehmen 80 Prozent der unter 30-Jährigen Informationen zum Zeitgeschehen auch über soziale Netzwerke wahr. Reels mit politischen oder gesellschaftlichen Inhalten sehen 83 Prozent der regelmäßigen TikTok-Nutzenden zumindest gelegentlich. Gleichzeitig ist die Sichtbarkeit journalistischer Inhalte begrenzt. Studien zufolge lag der Anteil politischer Inhalte auf TikTok zwei Monate vor der letzten Bundestagswahl bei nur fünf Prozent, der von professionell recherchierten, unabhängigen Angeboten ist sogar noch deutlich niedriger.
Digitaler Medien-Staatsvertrag will gegensteuern
Um die Macht der Plattformen zu begrenzen, ist die Politik gefordert. Eine Möglichkeit bietet laut Dr. Thorsten Schmiege der Digitale Medien-Staatsvertrag, an die Bundesländer aktuell arbeiten. Der will dafür sorgen, dass die Sichtbarkeit von Informationen aus rerdaktionell recherchierten Quellen erhöht wird.
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Peter Strahlendorf 17.07.2026

