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Zwischen Clean Desk und Kickertisch

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Creative Spaces - zum Beispiel bei Serviceplan in Berlin (Bild: designfunktion)

Agenturen sind kreative Hochleistungszentren – und zugleich Orte höchster wirtschaftlicher Effizienz. Das stellt ganz besondere Anforderungen an die Raumgestaltung. Welche, erklären Designexperte Prof. Jan Teunen und designfunktion-Geschäftsführer Samir Ayoub im 'new business'-Interview - in voller Länge zu lesen in unserer aktuellen Ausgabe. (Zur Heftbestellung)

In der Werbung arbeiten die meisten Leute einfach am PC – im Prinzip genau wie in einer Buchhaltungsfirma. Warum sollten die Arbeitsräume hier trotzdem anders gestaltet sein und was braucht man für einen funktionierenden "creative space"?
Prof. Teunen: Kreativität entsteht dort, wo Mensch und Raum im Einklang sind. Um das zu erreichen, sollten Büros nicht nur funktional sein, sie brauchen Seele. Durch sie entsteht ein guter 'creative space'. Reine Funktionalität engt Menschen ein und wenn sie eingeengt sind, sind sie ängstlich. Das sollten gerade Agenturen, deren Produkt eine kreative Dienstleistung ist, vermeiden.

Können gute Arbeitsumgebungen den Output verbessern?
Prof. Teunen: Das können sie zu einem ganz erheblichen Teil. Entscheidend ist der Zusammenhang zwischen der Qualität eines Raumes und der Mitarbeiter-Motivation. Neurobiologen wie der von mir sehr geschätzte Wissenschaftler Gerald Hüther würden jetzt anmerken, dass Motivation durch Qualität im Umfeld entsteht. Dies ist der größte Motivationstreiber, gleich gefolgt von der Qualität im Umgang, der wiederum sehr stark von dem Umfeld beeinflusst ist. Fakt ist, dass die meisten Unternehmen hinsichtlich der Qualität der Arbeitsumgebung unter ihren Möglichkeiten bleiben und sich zu sehr an einem vermeintlich ökonomischen Kalkül orientieren. Eine solche Sichtweise übersieht den Menschen, dessen Leistung ein Unternehmen schlussendlich wirtschaftlich macht.

In vielen Agenturen lösen sich feste Arbeitsplätze auf; Mitarbeiter besitzen nur noch Rollcontainer...
Ayoub: Interessanterweise füllen Agenturen bei der Umsetzung flexibler Arbeitskonzepte nicht unbedingt die Vorreiterrolle aus. Ich kenne Agenturen, die damit werben, dass jeder noch seinen festen Arbeitsplatz hat. Die Automobil- oder auch Finanzindustrie hat in ihren Office-Welten oft schon mehr sogenannte 'Multi-Territoriale' Strukturen. Damit solche Konzepte funktionieren, müssen 'Ankerzonen' eingeplant werden. Das heißt, die flexible Raumnutzung darf Mitarbeiter nicht vor ein Orientierungsproblem stellen, bei dem sie sich morgens fragen, in welchen Stock und in welches Zimmer sie heute müssen. Jeder Mitarbeiter sollte sein Team, das heißt, die Menschen, zu denen er auf der Arbeitsebene die engste Beziehung hat, in einer festen Zone des Gebäudes finden können. In einer solchen Ankerzone hat ein Team seinen Ort. Hier findet es seine Unterlagen, vielleicht die Bibliothek oder auch individuelle Erinnerungsstücke, wie Urlaubsgrüße von Kollegen. Die Zonen selber bieten so Zugehörigkeit, aber keine festen Arbeitsplätze. Vielmehr sind sie so eingerichtet, dass unterschiedliches Arbeiten möglich ist, beispielsweise in separaten Besprechungsräumen, kleinen Cubes und auch an klassischen Arbeitstischen, zum Beispiel in Form von Desk-Sharing, oder dem Loungebereich. Und den berühmten Roll-Container gibt es eigentlich nicht. Es sind eher Schließfächer oder Aufbewahrungskörbe.

Wie sieht das Büro der Zukunft aus?
Prof. Teunen: Das Büro der Zukunft wird aussehen wie ein Gewächshaus der Kreativität und der radikalen Innovation. Es gibt eine sehr interessante Studie der University of Oxford, 'Department of Engineering Science', mit dem Titel 'The Future of Employment'. Die Ergebnisse machen bewusst, dass es die meisten der Büro-Arbeitsplätze, wie wir sie heute kennen, bis etwa 2030 nicht mehr geben wird. Einen ähnlichen Prozess hat die Gesellschaft bereits in der Produktion erlebt. Auch hier haben intelligente Maschinen Routinearbeiten übernommen. Das ist ein Segen, weil wir Menschen nicht für reproduktive Arbeiten gemacht sind. Was bleiben wird ist die Co-Kreation und eben die radikale Innovation. Beides braucht Schönheit, weil Schönheit Dünger ist für die Kreativität. Deswegen werden die Büros poetisch werden und die Prozesse, die bleiben, werden in flexiblen Strukturen stattfinden. Voraussetzungen, die dem kreativen Arbeiten am meisten entgegenkommen. Wir werden zukünftig in fantastischen Bürowelten arbeiten!

(Die Fragen stellte Ilka Schwabedissen)



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(is) 18.10.2017


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