
Im Doppelinterview diskutieren Immobilienexpertin Katharina Heid und KI-Spezialist Kay Fleischmann, wie fortschrittliche KI-Tools die Preisfindung radikal verändern. © Heid-Immobilienbewertung GmbH
Interview
Immobilienverkäufe: Zunahme der Deals durch den Einsatz fortgeschrittener KI-Tools
Das Immobiliengeschäft zieht nach zwei eher flauen Jahren wieder an. Entscheidend für einen erfolgreichen Verkauf und Kauf ist die schnelle und richtige Preisfindung. Doch das ist angesichts einer Vielzahl von Einflussfaktoren immer aufwendiger geworden. Gerade hier kann der Einsatz fortschrittlicher KI-Tools wahre Wunder wirken und den Markt nicht nur verändern, sondern auch beflügeln, sagen Immobilienexpertin Katharina Heid und KI-Profi Kay Fleischmann im Doppelinterview.
Herr Fleischmann, mit Ihrem Unternehmen ROCKET9 GmbH beraten Sie mittelständische Unternehmen aus ganz Deutschland beim Einsatz von künstlicher Intelligenz. Laufen Sie dabei offene Türen ein oder müssen Sie immer noch dicke Bretter bohren, bevor Sie mit Ihren Themen zu Vorstand oder Geschäftsführung durchdringen?
Fleischmann: Das Interesse ist ungebrochen groß. Das ist positiv und die Grundlage für alles Weitere. Am Interesse und der Bereitschaft, auf KI zu setzen, mangelt es nicht. Doch ohne fundierte technologische Beratung verläuft vieles unkoordiniert und im Sand. Nach meiner Beobachtung wird bei sehr vielen Firmen künstliche Intelligenz nur isoliert und recht chaotisch ins Unternehmen eingebracht. Darunter leiden dann meist die Produktivität und das Fulfillment – mit Mehrkosten, die sich derzeit kaum eine Firma leisten kann oder sollte im harten Wettbewerbs- und Konjunkturumfeld.
Wie geht es denn anders und vor allem besser?
Fleischmann: Um sich dieser Antwort anzunähern, ist es wichtig, zu fragen, welchem Zweck der Einsatz der KI dienen soll. Denn es sollte nicht zum Selbstzweck verkümmern. Viele Unternehmen stehen vor zwei entscheidenden Herausforderungen: Sie erzielen zu wenig Gewinn und skalieren nur unzureichend. Doch was passiert, wenn diese Probleme nicht gelöst werden? Sie führen unausweichlich in die Bedeutungslosigkeit. Die Kosten wuchern langsam, aber stetig, bis sie die Unternehmen erdrücken – und das schneller, als man es für möglich hält. Die drei zentralen Ziele, die es bei der technologischen Beratung zu erreichen gilt, heißen: Kosten einsparen, Qualität verbessern sowie Agilität und Anpassungsfähigkeit erhöhen.
KI-Systeme nutzen komplexe Algorithmen, um aus einer Vielzahl von Datenquellen zu lernen und zu analysieren. Sie erkennen Muster und treffen Vorhersagen. Frau Heid, das klingt so, als wäre KI im Bereich der Immobilienbewertung, die ja die Grundlage für jeden gut geplanten Immobilienverkauf darstellen sollte, der ideale Mitarbeiter?
Heid: Ja, so könnte man das formulieren. Genügsam, effizient und 24/7 erreichbar. Aber bevor Sie gleich kritisch nachfragen: Künstliche Intelligenz wird im Bereich der Immobilienbewertung und konkret beim Verkaufsprozess die Expertinnen und Experten aus Fleisch und Blut nicht ersetzen, sondern ihnen zur Seite stehen und sie von automatisierten Prozessen entlasten. Das macht den Bewertungsprozess schneller, genauer und spart Zeit – Zeit, die den Immobilienprofis dann für die wichtige Beratungsarbeit mit den Kunden zur Verfügung steht. Gerade in einer so datenreichen Welt wie der Immobilienwirtschaft spielen fortschrittliche KI-Tools ihre volle Kraft gerade aus.
Warum ist es eigentlich so aufwendig geworden, eine Immobilie zu bewerten und damit auch zu bepreisen?
Heid: Es war schon immer aufwendig – und es wird immer aufwendiger. Das liegt an der wachsenden Zahl von Faktoren, die auf den Preis einer Immobilie Einfluss nehmen. Früher zählte einmal „Lage, Lage, Lage“. Zwar ist die Lage einer Immobilie immer noch wichtig für deren Wert und damit den Prozess der Immobilienbewertung. Doch eine Vielzahl weiterer Faktoren spielt eine Rolle: der Immobilientyp, die wirtschaftliche und demografische Entwicklung einer Stadt oder Gemeinde und im zunehmenden Maße die energetische Verfassung. Ein Mietshaus in Düsseldorf mit uralter Heizung und faktisch nicht vorhandener Dämmung wird im Preis etwa Abstriche machen müssen, das neue Haus im ländlichen Raum dagegen mit effizienter Wärmepumpe vermutlich in den kommenden Jahren einen Preisaufschlag erfahren. Unter dem Strich sprechen wir über einen gigantischen Datenberg, den es zu erklimmen und zu analysieren gilt – hier hilft uns KI in der täglichen Arbeit immens. Wir sehen schon jetzt, um wie viel schneller die Prozesse werden – wie also künstliche Intelligenz die Prozesse beschleunigt und damit die Tür öffnet für eine wachsende Zahl effizient abgewickelter Immobilienverkäufe.
Zu den Personen
Katharina Heid, M.Sc. leitet die Heid Immobilienbewertung GmbH und ist auf die Bewertung von Immobilien spezialisiert. Heid-Immobilienbewertung beschäftigt bundesweit über 140 öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige.
Kay Fleischmann ist CEO und Gründer des KI-Beratungs- und Entwicklungsunternehmens ROCKET9 GmbH mit Sitz in Hamburg. Das KI-Startup hilft mittelständischen Unternehmen dabei, das Potenzial der künstlichen Intelligenz zu heben, erstellt individuelle Potenzialanalysen und implementiert maßgeschneiderte Lösungen, etwa Chatbots für die Optimierung interner Prozesse oder den Kundendialog.

