
Marketing-Trends 2025: KI ist nicht alles – aber ohne geht auch nicht mehr
Marketing-Trends 2025: KI ist nicht alles – aber ohne geht auch nicht mehr
Das neue Marketing-Jahr steht unter dem Einfluss der herausfordernden wirtschaftlichen Lage. Für weitere Effizienzgewinne sorgen vor allem technologische Sprünge. Mittendrin ist dabei künstliche Intelligenz. Welche Entwicklungen renommierte Marketing-Experten für 2025 hier voraussagen – und welche weiteren Trends sie sehen.
KI bleibt das zentrale Thema in vielen Marketing-Bereichen
Mitunter müssen sich selbst Entscheider in der schnelllebigen Marketing-Welt die Augen reiben angesichts des Tempos und Fortschritts in ihrer Branche. Es ist erst zwei Jahre her, seit ChatGPT auf dem breiten Markt ausgerollt wurde – und auch in der Werbung und Unternehmenskommunikation Einzug gehalten hat. Heute, zu Beginn des Jahres 2025, sind die vielfältigen Tools für Text-, Grafik- oder Videoanwendungen, aber auch für viele weitere bis dato ressourcenfressende Automatisierungs-Tätigkeiten im Office nicht mehr wegzudenken. Künstliche Intelligenz ist zum festen Kollegen in Marketing-Abteilungen geworden, übernimmt immer mehr Routineaufgaben und verschafft den kreativen Köpfen dadurch mehr Luft und Freiraum für anspruchsvollere Aufgaben.
Das KI gut Texte kann und Fotos, ist längst bekannt und fast schon ein alter Hut. Immer raffinierter werden die Einsatzmöglichkeiten rund um Bewegtformate. Carlos Schönig, Co-Founder der Performance-Marketing-Agentur Globalist GmbH, sieht die künstliche Intelligenz vor allem in Videos auf der Überholspur und nennt ein konkretes Beispiel für seine Überzeugung: „Aktuelle A/B-Tests zeigen, dass immer mehr KI-generierte Voiceovers in Englisch besser sind als menschliche Sprecher – ein Trend, der weiter an Bedeutung gewinnen wird, da Marken auf diese Weise ihre Kommunikationskosten senken und gleichzeitig die Konsistenz und Verfügbarkeit von Inhalten maximieren können.“
Auch Lena Bohnenkamp-Galla, Chief Digital Officer bei der ieQ-network AG, sieht mehr Potenzial in der KI. Sie betreut in ihrem Unternehmen die digitale Produktentwicklung und leitet unter anderem Projekte zur digitalen Transformation des Unternehmens. Dabei führt nach den Worten der Expertin kein Weg vorbei an maßgeschneiderten GPTs: „Custom GPTs bieten Unternehmen im Marketing eine innovative Möglichkeit, ihre Kommunikation zu optimieren, indem sie personalisierte Inhalte erstellen, die gezielt auf Kundenbedürfnisse eingehen. Sie steigern die Effizienz durch Automatisierung wiederkehrender Aufgaben, sparen Zeit und reduzieren Fehler. Dank einfacher Integration in bestehende Systeme und ihrer Skalierbarkeit bieten sie eine kosteneffiziente Lösung, insbesondere für sprachbasierte Aufgaben. Insgesamt machen Custom GPTs den Marketingprozess agiler, präziser und wirtschaftlicher, was Unternehmen einen klaren Wettbewerbsvorteil verschafft.“
Oliver Wanderscheck, General Manager der Orbitvu GmbH, hat sein Unternehmen auch dank des Einsatzes von KI und weiteren Technologien wie 3-D und Augmented Reality (AR) zu einem weltweit führenden Anbieter im Bereich der automatisierten Produktfotografie gemacht. Vor allem AR sieht er dieses Jahr weiter im Aufwind, gerade vor dem Hintergrund betriebswirtschaftlicher Zwänge und einer angespannteren Liquiditätslage bei vielen Händlern – denn die Retourenquote geht nachweislich durch ihren Einsatz zurück: „Moderne Technologien ermöglichen es den Kunden, Möbelstücke vor dem Kauf in ihrer eigenen Wohnumgebung zu visualisieren. Um das Produkt aus allen Blickwinkeln betrachten zu können, werden gerade 3-D-Viewer immer wichtiger, da der Nutzer ein Produkt so bei Bedarf sogar umdrehen und auf den Kopf stellen können. Dadurch entstehen neue Möglichkeiten für Händler und Käufer. Wenn Kunden Zweifel haben, ob eine Couch tatsächlich in ihr Wohnzimmer passt, können sie AR aktivieren, so dass sie die Couch über ihr Telefon oder Tablet in ihr Wohnzimmer projizieren können.“
Dank KI werden auch Produktfotos immer einfacher – und besser. Wanderscheck: „Typische Lösungen zur Fotoautomatisierung bieten Benutzerfreundlichkeit, Effizienz und Konsistenz und sind damit die kostengünstigste Lösung für die Produktion umfangreicher Inhalte. Allerdings geht dies in der Regel auf Kosten der Flexibilität und der Bildqualität aufgrund der starren Beleuchtung. Dank KI-Fotoassistenten können auch Personen, die keine Erfahrung mit der Fotografie haben, die gewünschten Ergebnisse erzielen.“ Die Einführung von KI-Technologie für den schwierigsten Teil der Bildaufnahme – Beleuchtung und Kameraeinstellung – stellt die traditionelle Art der Erstellung von Produktinhalten in Frage. Sie zeigt, dass dies schneller und automatisch erfolgen kann, ohne Kompromisse bei der Qualität oder Kreativität einzugehen, da das Endergebnis immer noch in den Händen des Anwenders liegt.
Neue Formen des Verkaufs: Liveshopping, Whats-App-Business und die Stärkung eigener Kanäle
Das Verkaufsgeschäft im Digitalen wird 2025 und den Folgejahren zudem immer lebendiger – weg vom reinen Webshop hin zum Liveshopping. Getrieben wird die neue Art des Einkaufens nach Meinung von Lena Bohnenkamp-Galla auch durch den Siegeszug interaktiver Avatare, die klassische Navigatoren ablösen dürften: „Interaktive Avatare werden 2025 ein zentraler Trend in der Marketingbranche, da sie eine natürliche und menschenähnliche Kommunikation zwischen Nutzern und Technologie ermöglichen. Sie bieten eine intuitive, sprachbasierte Interaktion, die komplexe Benutzeroberflächen überflüssig macht, und schaffen durch die Integration von Mimik, Gestik und Emotionen eine persönliche und vertraute Nutzererfahrung. Avatare agieren als intelligente Vermittler, die auf Datenbanken und Services zugreifen, um schnelle und präzise Informationen zu liefern. Diese menschliche Dimension der Technologie sorgt für eine emotionalere Kundenbindung und steigert die Effizienz in der Kundenkommunikation.“
Nach ihren Worten startet 2025 auch das WhatsApp-Business voll durch, da es eine direkte, personalisierte und kosteneffiziente Kundenkommunikation ermöglicht. Mit mehr als zwei Milliarden Nutzern weltweit bietet es Unternehmen enorme Reichweite und Funktionen wie automatisierte Antworten, interaktive Nachrichten und Kataloge, um die Kundenbetreuung zu optimieren und Verkäufe zu steigern. Zusätzlich fördern Broadcasts und Gruppenmarketing eine engere Kundenbindung, während Chatbots Routineanfragen effizient verwalten.
Carlos Schönig rät dazu, für die Lead-Generierung klar auf die eigenen Kanäle zu setzen: „Es gilt, die Touchpoints über die eigenen Kommunikationskanäle auszubauen und zu optimieren, da der Wettbewerb um die Aufmerksamkeit der User auf externen Plattformen weiter zunimmt und ein besseres Exklusivitäts- und Gemeinschaftsgefühl geschaffen werden kann. Daher wird es immer wichtiger, die Nutzer durch intelligente Social-Media-Strategien in die eigenen Systeme wie WhatsApp und E-Mail-Marketing zu lenken.“
Barrierefreiheit: Anspruchsvolle Hürde vor allem für die Betreiber von Web-Shops
Doch auch wichtige regulatorische Änderungen gilt es zu beachten. Ab Mitte 2025 greift das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) für Websites und Online-Shops. Doch Stand jetzt können nur wenige deutsche Unternehmen schon sicherstellen, dass ihre digitalen Angebote für alle Nutzer, also auch Menschen etwa mit Sehbehinderungen, zugänglich sind. Dazu gehört die Implementierung von barrierefreien Funktionen wie alternativen Texte für Bilder, Tastaturbedienbarkeit, klare Farbschemata und verständliche Sprache. Besonders E-Commerce-Plattformen sind betroffen, da sie ihre Websites und Apps so gestalten müssen, dass sie von Menschen mit Behinderungen uneingeschränkt genutzt werden können.
Recruiting und Employer Branding: Mit Herz, Hirn und GIFs gegen den Fachkräftemangel:
Doch wer soll all das umsetzen auf Unternehmens- und Agenturseite? Toptalente werden angesichts des Fachkräftemangels und der demografischen Schere immer rarer. Das Employer Branding bleibt damit 2025 und darüber hinaus ein zentrales Thema der Marketing-Szene. Doch wer darunter nur „Recruiting“ subsummiert, denkt zu kurz, meint Gesa Lischka. Sie ist CEO der Agentur Kochstrasse aus Hannover und international renommierte Neuromarketing-Expertin und rät zu einem innovativen Ansatz beim Employer Branding: „Hier kann die Integration in die allgemeine Markenstrategie, die Aktivitäten der Unternehmenskultur und ein tiefes Verständnis der Treiber und Auslöser einen Unterschied machen. Es gibt zahlreiche, hervorragende Fallbeispiele dafür, wie beispielsweise GIFs auf Employer Branding angewendet werden können, um die Unternehmenskultur und interne Kommunikation zu stärken.“ Gerade in der Kraft der kreativ animierten Bilder, der GIFs, steckt nach Lischkas Worten unfassbar großes Potenzial für 2025: „Ich rate dazu, über den Tellerrand der üblichen Social-Media-Inhalte hinauszublicken, um die Ziele der Maximierung der Markenpräsenz und des Teilens zu erreichen. Zum Beispiel sehen wir ein zunehmendes Interesse an markenbezogenen GIFs von Kunden, die erkennen, wie effektiv sie ihre Marke in die Gespräche einbinden können, die Verbraucher bereits führen – selbst in solche, die nicht einmal markenbezogene sind.“

