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Interview

Printprodukte sind langlebiger als digitale Anzeigen, die oft nur Sekunden sichtbar sind. © Johannes Voetter, WIRmachenDRUCK

Interview

Print wirkt – und bleibt haften: Kundenbindung mit physischen Druckprodukten

Digitale Werbung rauscht oft vorbei – Print bleibt haften und wirkt nachhaltig. Kein Wunder, dass physische Medien in der Branche ein Comeback feiern. „Während Online-Werbung schnell konsumiert und oft übersehen wird, bleiben Printmaterialien länger im Blickfeld und sprechen mehrere Sinne an“, sagt Johannes Voetter, Gründer und Gesellschafter der WIRmachenDRUCK GmbH - und ist überzeugt: Wer Kunden emotional erreichen will, kommt an Print nicht vorbei.

Digitale Marketingstrategien dominieren heutzutage viele Branchen. Welche Rolle spielen physische Druckprodukte in einer Welt, die zunehmend auf Online-Werbung setzt?

Johannes Voetter: „Physische Druckprodukte sind auch in der heutigen, zunehmend digitalen Welt unverzichtbar, weil sie eine greifbare, vertrauenswürdige und langlebige Werbeform bieten. Während Online-Werbung schnell konsumiert und oft übersehen wird, bleiben Printmaterialien länger im Blickfeld und sprechen mehrere Sinne an. Die Haptik eines hochwertigen Flyers oder veredelten Magazins erzeugt eine emotionale Verbindung zur Marke. Zudem nimmt die Werbewirkung digitaler Kanäle durch Bannerblindheit und Ad-Blocker ab. Print dagegen hat eine natürliche Präsenz – ein Kundenmagazin liegt wochenlang auf dem Schreibtisch, eine edle Einladung vermittelt Exklusivität und ein hochwertiges Mailing erreicht die Zielgruppe direkt und ohne Ablenkung.”

Wie können Unternehmen Print und digitale Kanäle sinnvoll kombinieren, um eine maximale Werbewirkung zu erzielen? Gibt es Best Practices für eine erfolgreiche Verzahnung?

JV: „Die Kombination aus Print und Digital funktioniert besonders gut, wenn Printmedien als Einstieg in digitale Inhalte dienen. QR-Codes, NFC-Chips oder Augmented-Reality-Elemente auf Broschüren und Plakaten verknüpfen Print mit interaktiven Online-Erlebnissen. Ein Katalog kann etwa direkt zu einer Website mit personalisierten Angeboten führen. Generell können haptische Elemente, die im Einklang mit digitalen Kampagnen stehen, die Markenwirkung und -Wiedererkennung stärken. 

Auch „Programmatic Printing“ ist eine effektive Methodik. Hierbei werden beispielsweise vorliegende Nutzerdaten dafür genutzt, um maßgeschneiderte Print-Mailings auszulösen. Ein Kunde, der online ein Produkt angesehen hat, erhält wenige Tage später ein individuelles Angebot per Post. Diese gezielte Ansprache verbindet die Vorteile beider Kanäle und erhöht die Conversion-Rate nachweislich.”

Studien zeigen, dass Printwerbung eine höhere Erinnerungswirkung hat als digitale Anzeigen. Welche Faktoren machen physische Werbemittel so wirkungsvoll?

JV: „Printwerbung bleibt besser im Gedächtnis, weil sie durch Haptik und Multisensorik das Gehirn stärker aktiviert. Das Gefühl und Duft von Papier, die Dicke eines hochwertigen Magazins oder eine besondere Prägung verstärken die Werbewirkung.

Zudem sind Printprodukte wie gesagt langlebiger als digitale Anzeigen, die oft nur Sekunden sichtbar sind. Ein gedrucktes Mailing oder ein Katalog wird häufiger zur Hand genommen und bleibt im Umfeld der Zielgruppe präsent. Studien zeigen auch, dass Printmedien als glaubwürdiger wahrgenommen werden, weil sie nicht zwischen reinen Werbeanzeigen und journalistischen Inhalten verschwinden.

Ein weiterer Vorteil von Print ist die ungestörte Rezeption. Während digitale Werbung von Benachrichtigungen, Pop-ups und konkurrierenden Inhalten überlagert wird, bekommt ein gedrucktes Werbemittel die volle Aufmerksamkeit.”

In der digitalen Werbung sind personalisierte Inhalte längst Standard. Wie entwickelt sich der Trend zur Individualisierung bei Printprodukten, und welche innovativen Lösungen bietet Ihr Unternehmen?

JV: „Ein wachsender Trend ist die Personalisierung im Bereich Werbedrucke. Unternehmen setzen zunehmend auf maßgeschneiderte Flyer, Broschüren oder Plakate, die gezielt auf bestimmte Zielgruppen oder sogar einzelne Kunden zugeschnitten sind. Durch Variable Data Printing (VDP) lassen sich Elemente wie Namen, Angebote oder standortspezifische Inhalte direkt in den Druckprozess integrieren. So kann beispielsweise ein Autohaus für verschiedene Filialen personalisierte Werbematerialien mit den jeweiligen Ansprechpartnern oder regionalen Angeboten produzieren. Auch der Markt für eigene Bücher und Self-Publishing wächst kontinuierlich. Autoren, Unternehmen oder Influencer nutzen individuelle Buchdruck-Lösungen, um kleine bis mittlere Auflagen ohne hohe Einstiegskosten zu realisieren. Print-on-Demand-Technologien ermöglichen es, Bücher erst bei Bestellung zu drucken, wodurch Überproduktionen vermieden und Kosten optimiert werden. Dabei sind vollständige Individualisierungen möglich – von personalisierten Vorworten bis hin zu exklusiven Sondereditionen für bestimmte Lesergruppen.

Ein weiteres wichtiges Segment sind Merchandise-Produkte. Unternehmen, Vereine und Einzelpersonen setzen auf individuell gestaltete Produkte wie T-Shirts, Tassen, Notizbücher oder Verpackungen, die mit Logos, Slogans oder sogar einzelnen Namen und Motiven bedruckt werden können. Hier spielen innovative Druckverfahren wie Sublimationsdruck und Direktdruck auf Textilien eine große Rolle, da sie hochauflösende, langlebige und detailreiche Personalisierungen ermöglichen. Besonders für kleine Unternehmen oder Eventveranstalter bietet das eine kosteneffiziente Möglichkeit, Markenbindung durch exklusive und individuell gestaltete Produkte zu fördern.”

Wie geht WIRmachenDRUCK mit der Bedeutung von Nachhaltigkeit in der Werbung um?

JV: „Nachhaltigkeit spielt nicht nur bei WIRmachenDRUCK sondern in der gesamten Druckbranche eine immer größere werdende Rolle. Ein wesentlicher Ansatz ist natürlich der Einsatz umweltfreundlicher Materialien. So bieten wir beispielsweise FSC®- oder PEFC™-zertifizierte Papiere an, die aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammen. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Möglichkeit, alle unsere Produkte mit finanziellem Klimaschutzbeitrag zu bestellen. Hierbei werden klimaschützende Maßnahmen (wie beispielsweise Waldaufforstungen oder Projekte für saubere Kochöfen oder erneuerbare Energien in Entwicklungsländern) gezielt unterstützt.

Durch ressourcenschonende und hocheffiziente Produktionsverfahren, die den Materialverbrauch reduzieren und unnötigen Abfall vermeiden, wird der ökologische Fußabdruck weiter minimiert. 

Auch alternative Materialien gewinnen zunehmend an Bedeutung. Recyclingmaterialien und innovative Lösungen wie beispielsweise aus Gras- und Recyclingkarton, Ocean-Action- oder Bagasse-Etiketten oder Werbeartikel aus Bambus oder Holz sind nur einige Beispiele, die als umweltfreundliche Produkt-Alternativen nachhaltige Werbekampagnen ermöglichen.

Auch wird „ökologisches Printmarketing“ immer wichtiger für Unternehmen, da Kunden zunehmend Wert auf umweltschonende, nachhaltige Lösungen legen. Unser sehr großes Angebot an nachhaltigen Produkten unterstreicht insofern nicht nur unseren Anspruch, als Unternehmen ökologische Verantwortung zu übernehmen, sondern ist zugleich auch ein zunehmender Wettbewerbsvorteil.”

Welche Branchen setzen besonders stark auf Print, und wo sehen Sie in der digitalen Welt noch ungenutztes Potenzial für physische Werbemittel? Wie sehen Sie die Zukunft des Print-Marketings in den nächsten fünf bis zehn Jahren? 

JV: „Branchen mit direktem Kundenkontakt setzen traditionell stark auf Print. Dazu gehören insbesondere der Handel, der Tourismus, die Automobilbranche und der Finanzsektor. Hier sind hochwertige Kataloge, Mailings und Imagebroschüren nach wie vor zentrale Kommunikationsmittel. Nicht nur im Luxussegment bleibt Print unverzichtbar, da haptisch ansprechende Materialien wie bereits erwähnt die Wertigkeit einer Marke unterstreichen.

Ein großes ungenutztes Potenzial liegt im datengetriebenen Printmarketing. E-Commerce-Unternehmen können Print verstärkt für gezielte Nachfassaktionen nutzen. Personalisierte Mailings nach einem Online-Kauf oder hochwertige Gutscheine per Post sind effektive Wege, um Kunden nachhaltig an eine Marke zu binden. Auch abonnierte Kundenmagazine erleben ein Comeback, da sie Markenbindung und Exklusivität vermitteln.

In den nächsten fünf bis zehn Jahren wird sich Print-Marketing weiterentwickeln und noch stärker mit digitalen Technologien verschmelzen. Wir erwarten, dass hybride Lösungen zur Norm werden. KI-gestützte Printpersonalisierung wird Werbebotschaften noch gezielter auf einzelne Kundengruppen bis hin zum 1:1-Marketing für jeden einzelnen Kunden zuschneiden. Gleichzeitig wird Nachhaltigkeit zum Standard, da umweltfreundliche Drucklösungen für Unternehmen zunehmend zum Markenzeichen werden.

Trotz der digitalen Dominanz bleibt Print meines Erachtens ein entscheidender Bestandteil im Marketing-Mix. Die Herausforderung liegt nicht darin, Print gegen Digital auszuspielen, sondern beides so zu kombinieren, dass es die maximale Werbewirkung erzielt.”

Zur Person: Johannes Voetter ist Gründer und Gesellschafter der WIRmachenDRUCK GmbH. Zusammen mit seinem Bruder Samuel Voetter gründete er vor rund 18 Jahre das Unternehmen, das sich seither zu einer der führenden europäischen Online-Druckereien entwickelt hat. WIRmachenDRUCK betreut mittlerweile weit über 500.000 Kunden in insgesamt 17 europäischen Ländern. Hinter dem Erfolgskonzept steht ein engagiertes Team von über 550 talentierten Mitarbeitenden und eine beeindruckend vielfältige Produktpalette mit über 50.000 verschiedenen Artikeln in fünf Millionen Variationen. Seit Anfang 2016 ist WIRmachenDRUCK ein Teil der internationalen Unternehmensgruppe Cimpress, dem Weltmarktführer im Online-Druck.