
WPP will zeitnah den Nachfolger für Mark Read präsentieren - Foto: WPP
WPP: Wird Lord Stephen Carter Reads Nachfolger?
Nachdem die britische Werbeholding WPP vor einem Monat den Rückzug ihres seit 2018 im Amt befindlichen CEO Mark Read ankündigte, nährten sich schnell Spekulationen um seinen Nachfolger. Namen wie David Droga, der unlängst seinen Ausstieg bei Accenture verkündet hatte, oder Matt Brittin, dem ehemaligen EMEA-Präsident von Google, kamen ins Spiel.
Wie das Fachmagazin „Campaign“ nun erfahren haben will, sollen diese beiden Namen nicht im Spiel sein. Dennoch sollen die Verhandlungen um einen Nachfolger für Read anscheinend so weit gediehen sein, dass die Londoner den in Kürze bekanntgeben wollen, heißt es.
Jetzt, wo Droga und Brittin quasi aus dem Spiel sind – letzterer auch, weil der nach seinem Ausscheiden bei Google im August dieses Jahres auf LinkedIn postete, erst einmal keinen CEO-Posten anzustreben – kursiert ein weiterer Name durch die Branche: Lord Stephen Carter.
Carter ist aktuell der CEO des Cannes-Lions-Eigentümers Informa. Er wäre ein geeigneter Kandidat, weil er zum einen tiefen Einblick in die Szene hat und als extrem gut vernetzt gilt. Zum anderen, weil er im Rahmen seiner Karriere auch WPP-Erfahrungen gesammelt hat, unter anderem als VP von Hill + Knowlton.
Informa selbst wollte zu diesen Spekulationen keinen Kommentar abgeben, so „Campaign“, allerdings will man aus Analystenkreisen erfahren haben, dass man ob der Expansionspläne, die Carter für Informa hat, dieser keinen Wechsel in Betracht ziehen würde.
Von Seiten WPP herrscht aktuell ebenfalls Stillschweigen. Man äußere sich grundsätzlich nicht zu laufenden Bewerbungsverfahren, hieß es. Dennoch wird es für den WPP-Vorstand um Philip Jansen Zeit, eine Entscheidung zu verkünden. Entsprechend will Campaign aus verschiedenen Quellen erfahren haben, dass in London bald eine Entscheidung getroffen und die Ernennung von Reads Nachfolger „früher als erwartet” erfolgen wird.
Analysen fordern Entscheidung
Dies im Hinterkopf kann man sogar davon ausgehen, dass die Entscheidung bereits getroffen wurde, die Tinte unter dem Vertrag lediglich noch nicht trocken ist. Man braucht sich nur an Jansens Worte im Rahmen der WPP-Hauptversammlung im Mai 2025 zu erinnern. Da sagte er, der Vorstand sei nicht verpflichtet, kurzfristige Änderungen vorzunehmen, aber auch, dass der Nominierungsausschuss „bei der Nachfolgeplanung für den Vorstand stets eine langfristige Perspektive einnimmt”. Gerade mal zwei Wochen später wurde der Rücktritt von Mark Read bekanntgegeben …
Eine Parallele gibt es übrigens auch in Richtung Jansens Ernennung zum Vorstandsvorsitzenden: Die wurde im Juli 2024 bekanntgegeben, im Januar trat er sein neues Amt an.
Wie dem auch sei, dass etwas passieren muss, liegt auf der Hand. WPP steht massiv unter Druck. Seit Anfang 2025 ist der Aktienkurs der Werbeholding um satte 37 Prozent eingebrochen, was eine Verringerung der Marktkapitalisierung von 8,9 Mrd. Pfund auf 5,6 Mrd. Pfund bedeutet. In diesem Zusammenhang warnten Analysten von Barclays in einer Mitteilung aus Juni 2025, sie gingen davon aus, die „unterdurchschnittliche Performance von WPP“ kurzfristig anhalten wird, unter anderem „aufgrund der Unsicherheiten, die durch einen Wechsel in der Unternehmensführung entstanden sind“. Weiter schrieben sie: „Im Durchschnitt verzeichnen Medienaktien, bei denen es zu einem Wechsel in der Unternehmensführung gekommen ist, zwischen der Bekanntgabe eines Wechsels des CEO und der Vorstellung der Strategie des neuen CEO eine Underperformance von 10 Prozent”. Insofern sei man davon überzeugt, WPP sei nicht grundsätzlich geschwächt und glaube, der neue CEO könne das Ruder rumreißen.
Womit – zumindest gedanklich - wieder der Name Lord Stephen Carter aufploppt. Denn wie heißt es so schön? An jeder Spekulation ist immer auch ein Quäntchen Wahrheit.
Claudia Bayer 09.07.2025

