
Sir Martin Sorrell hat seinen WPP-CEO-Posten 2018 an Mark Read übergeben, hält aber nach wie vor Anteile an der Werbeholding - Foto: S4 Capital
Warum Martin Sorrell WPP keine Chance mehr gibt
Im Juni 2025 verkündete die Werbeholding WPP, dass deren langjähriger CEO Mark Read zum Jahresende seinen Posten niederlegen würde. Woraufhin die Gerüchte und Spekulationen um einen Nachfolger für ihn die Runde machten und die Finanzmärkte und -analysten mit einer Abwertung reagierten. Um dann, quasi als Reaktion und schneller als gedacht, mit Cindy Rose eine Nachfolgerin präsentiert wurde.
Ob Rose die erste Wahl ist, lässt sich nun, gerade mal ein Wochenende nach der Bekanntgabe der Personalie, Zweifel aufkommen. Zum einen, weil WPP, kurz nachdem Rose als Nachfolgerin für Read benannt und im gleichen Atemzug versicherte, Letzterer würde sie die verbleibenden drei Monate zwischen Rose Amtsantritt und Reads Aussteigen aus der WPP zum Jahresende, gründlich einarbeiten.
Geteilte Meinungen aus der Branche
Eine Ankündigung, die in der Branche auf geteiltes Echo stößt. So sagte beispielweise Ian Millner, Chair und Co-Gründer der Kreativagentur Iris gegenüber „Little Black Book“, WPP brauche keine Kontinuität sondern eine echte Transformation. „Die Branche steckt in einem ,Schrumpfungsmodus‘ fest, die Kunden können mehr für sich selbst tun und das Holdingmodell steht unter Druck. Die Ernennung einer sicheren Führungskraft mag die Finanzwelt beruhigen, aber sie löst nicht die größere Herausforderung: die Neudefinition des Vorteils von Agenturen in einer Welt der KI und der Inhouse-Lösungen. Dieser Moment erforderte eine radikale Vision, keine Beruhigung“, so Millner.
Andersherum findet Chris Camacho, CEO von Cheil UK, die Personalie sei ein mutiger Schritt für WPP, weil sie mehr als nur einen Führungswechsel markiere. Vielmehr signalisierte sie einen Wandel in der Denkweise. „Ihre Erfahrung umfasst Technologie, Medien, Telekommunikation und Kundenunternehmen wie Microsoft und Disney. Diese Mischung aus Innovation und operativer Strenge ist genau das, was WPP braucht, um in einem Bereich aufzuholen, in dem andere bereits die Führung übernommen haben. Die Umstrukturierung kommt zum richtigen Zeitpunkt und ist dringend notwendig …“, sagt er.
Klare Worte von Martin Sorrell
Einen ganz anderen, weit weniger beruhigenden Ton schlägt indes S4-Capital-Gründer und als CEO von WPP Vorgänger von Mark Read, Martin Sorell, gegenüber dem Fachmagazin „Campaign UK“ an. Er sagt, das Dickschiff WPP sei möglicherweise schon zu sehr ins Trudeln gekommen, als dass Cindy Rose das Ruder nun noch herumreißen könne.
Seiner Überzeugung nach sei WPP bereits längst bevor große Kunden, wie zuletzt Mars, ihre Verträge gekündigt hätten, ins Abseits geraten. Im BBC-Podcast „The Media Show” erklärte er, der Wandel zu einem von Plattformen dominierten Medienmarkt und die wachsende Bedeutung von KI für die Beziehungen zwischen Kunden, Agenturen und Plattformen seien Wellen, auf denen WPP unter der Führung von Read nicht mitgeschwommen sei.
Gegenüber „Campaign“ kolportierte er, Roses operative Erfahrung bei Disney, Vodafone und Microsoft möge hervorragend und sie auch talentiert sein. In erster Linie, so Sorrell weiter, brauche WPP „Führung, eine neue Strategie und eine klare Struktur“, um mit der „klaren Strategie in den Bereichen Digital, Daten und Medien und einer länderorientierten Struktur“ mithalten zu können, über die Publicis seiner Meinung nach verfügt.
Im Gegensatz dazu habe sich WPP darauf konzentriert mit WPP Open ein Software-as-a-Service-Angebot aufzubauen und sich damit in den direkten Wettbewerb von Unternehmen wie Adobe begeben. Zudem habe die Werbeholding in den vergangenen Jahren rund 1,5 Milliarden Pfund in Restrukturierungsmaßnahmen investiert sowie mehrere Ebenen von Gemeinkosten auf Gruppen-, Untergruppen- und Unternehmensebene aufgebaut. Zudem habe man unter dem Deckmantel der Vereinfachung Traditionsmarken wie J. Walter Thomson, Wunderman oder Young & Rubicam, Grey und Hill & Knowlton geradezu zerstört. Mit der Folge, dass neben Talenten auch große Kunden abwanderten. Diese Fehler wettzumachen sein seiner Überzeugung nach fast ein Ding der Unmöglichkeit.
Insofern betonte er einmal mehr, was er bereits für WPP Media (ehemals GroupM) aufs Trapez gebracht hatte: den Verkauf der Einheit. Und, dass seiner Auffassung nach WPP besser aufgeteilt werden sollte, mit dem Ziel, die noch bestehenden Bestandteile zu veräußern oder anderweitig zu konsolidieren.
Wobei erwähnt werden muss, dass Sorrells Abrechnung und Forderung auch etwas damit zu tun haben kann, dass seine Anteile, die er nach wie vor an WPP hält, zusehends weniger Wert werden, und er durch derartige Äußerungen versucht, sein Kapital zumindest anteilig zu retten.
Claudia Bayer 14.07.2025

