
Mit der Einreichung der gefakten New-Balance-Kampagne hat Felipe Cury seine Karriere wohl ruiniert - Foto: LePub
Cannes Lions 2025
Wegen Cannes: LePub hat Felipe Cury gefeuert
Die zu Publicis gehörende Kreativagentur LePub hat den Chef und Mitbegründer des brasilianischen Standorts Sao Paulo mit sofortiger Wirkung von seinen Diensten freigestellt. Damit reagiert die Agentur als erste auf die Vorwürfe der manipulierten Einreichungen und infolgedessen fälschlichen Auszeichnungen, die in diesem Jahr bei den Cannes Lions vergeben wurden.
Offiziell bestätigt hat LePub den Rausschmiss nicht. Allerdings will das das Branchenmagazin „Adweek“ das aus internen Quellen erfahren haben. Offiziell schreibt LePub in einer Mitteilung: „Nach einer gründlichen Untersuchung haben wir festgestellt, dass der betreffende Fall, an dem LePub São Paulo beteiligt war, unseren hohen Standards nicht gerecht wurde. Wir haben strenge Disziplinarmaßnahmen gegen die Verantwortlichen ergriffen.”
Worum es ging: LePub wurde bei den Cannes Lions 2025 mit einem bronzenen Löwen für die Kampagne „Followers Store“ für den Kunden New Balance ausgezeichnet. In den Einreichungsunterlagen wurde behauptet, man habe Geolokalisierungstechnologie eingesetzt, um einen exklusiven Vorverkauf von Trikots des São Paulo FC zu bewerben.
Allerdings warfen die im Casefilm präsentierten Zahlen und Fakten zur Kampagne beim Sportjournalisten Demetrio Vecchioli Fragen auf, so dass er weiter recherchierte und seine Ergebnisse am 24. Juni 2025 in einem Artikel auf LinkedIn mit der Öffentlichkeit teilte. Hierin ist auch zu lesen, dass Vecchioli selbstverständlich im Rahmen seiner Recherchen bei New Balance angefragt und um eine Stellungnahme gebeten habe. Die Antwort war eindeutig: So teilte das Unternehmen mit, „alle Materialien im Zusammenhang mit der Registrierung von LePub ohne Wissen oder Zustimmung der Marke erstellt wurden. Wir haben das für die Veranstaltung verwendete Material nicht validiert“. New Balance betonte außerdem, dass die Aktion Werbecharakter hatte und nicht auf den Verkauf abzielte.
Woraufhin der Ball ins Rollen kam und bei den Cannes Lions eine größer angelegte Überprüfung startete, die letztendlich zur Entwicklung neuer Integritätsstands führte. In denen gleich unter Punkt festgehalten wird, dass alle Einreichungen vom auftraggebenden Unternehmen autorisiert worden sein. By the way: mussten sie das nicht schon immer? Und warum hat das bislang anscheinend niemand überprüft?
Felipe Cury hatte einen Koffer in Berlin
Wie dem auch sei, der erste Kopf, der Rollen musste, ist der von Felipe Cury. Und der ist übrigens auch in der deutschen Werbe(r)landschaft kein Unbekannter: 2009 kam der brasilianische Miami-Ad-School-Absolvent nach Hamburg, um ein dreimonatiges Praktikum bei Jung von Matt zu starten. Von Eimsbüttel aus ging es nach München, zu Serviceplan. Anderthalb Jahre später wechselte er als Junior Art Director zu DDB nach Berlin und da, wieder ein gutes Jahr später, in gleicher Position zu Leo Burnett. Im Jahr 2014 ging er für zwei Jahre zurück nach Sao Paulo.
Wiederum zwei Jahre später kehrte er nach Berlin zurück. Wieder waren seine ersten Stationen Jung von Matt und DDB. Dann folgte Innocean. Im September 2019 gings dann erneut zurück über den großen Teich. Zunächst zu Africa, Sao Paulo. Seit Juni 2022 stand er als Co-Chair und Kreativchef bei LePub unter Vertrag – und verantwortete damit neben dem kreativen Output der Agentur auch die Richtigkeit der Einreichungen zu den Kreativawards dieser Welt.
Claudia Bayer 14.07.2025

