
Fred + Farid wird zur AI-First-Agency - Foto: F+F
Warum aus der Agentur Fred + Farid ein AI-Studio wird
Im Januar 2024 launchten Frederic Raillard und Farid Mokart die 2007 ursprünglich in Paris gegründete Boutique-Agentur Fred + Farid das globale KI-Studio AImagination (siehe nb 1/24). Nun kündigten die Franzosen, die inzwischen ihren Firmensitz nach Los Angeles verlegt und Niederlassungen in New York, Shanghai und eben Paris betreiben, an, aus der klassischen Werbeagentur Fred + Farid ein KI-gesteuertes Markenstudio zu machen.
Aber von vorn: Schnell nachdem die Freunde Railard und Mokart – beide übrigens von Haus aus Strategen – Fred + Farid ins Leben gerufen hatten, hatten sie sich vor allem in der Luxusindustrie einen Namen gemacht. Auf der Kundenliste stehen neben Louis Vuitton Moet Hennessy (LVMH) Namen wie Audemars Paris, Giogio Armani, Guerlain, Lacoste, Saint Laurent oder Longchamp.
Die Longchamp-Kampagne ist bis heute die, die das Unternehmen als erfolgreichste Kommunikation in ihrer Geschichte beschreibt. Binnen einer Woche nach dem Launch stieg der Abverkauf um 1,8 Prozent.
Von Anfang an machte sich die Agentur aber auch einen Namen damit, ein Viertel der Arbeitszeit in soziale Projekte zu investieren. Und, was in diesem Zusammenhang viel wichtiger ist, dass sich die Agenturinhaber sofort nach dem Launch der ersten KIs mit dem Thema auseinandersetzten. Weil sie, wie Raillard und Mokart damals sagten, von den Möglichkeiten fasziniert waren, die diese Technik bieten würde. Also testeten sie die Optionen seit Anbeginn bis an ihre Grenzen aus. Und launchten - sozusagen als Testballon - die erste mit KI erstellte Kampagne für den amerikanischen Ableger von "Fridays for Future. Und bearbeiteten die im Frühjahr 2023 gelaunchten Kampagne für die Outdoor-Marke "The Northface", zu der Fred + Farid die Läufercommunity dazu aufgerufen hatten, ihre Gründe zu nennen, warum sie das Laufen nach der Corona-Zwangspause wieder aufnimmt, neu. Das Ergebnis: Aus den ursprünglich 100 Gründen, die im ersten Flight via OOH und Social Media on Air gngen, wurden 10.000.
Via KI wurde die Northface-Kampagne neu aufgelegt. Die Gründe haben sich vertausendfacht, während die Motivhintergründe gleich blieben - Foto: F+F
Das speziell auf die Werbeindustrie zugeschnittene Produktionsstudio AImagination sei, so die beiden Anfang vergangenen Jahres, der nächste logische Schritt gewesen. Nicht um der künstlichen Intelligenz die gesamte kreative Arbeit zu überlassen. Vielmehr wollte man Antworten auf die aktuellen Herausforderungen des Marketings, wie beispielsweise Geschwindigkeit, Kosten und Effizienz geben.
Das Motto: Missachtet die Technik
Nun, gute anderthalb Jahre später ist aus dem „Projekt“, zu dem Fred + Faris bewusst auch andere Kreativagenturen zur Teilnahme eingeladen haben, quasi das Zentrum der Kreativagentur geworden. Nicht nur, aber auch, weil die Technik und damit die Möglichkeiten in der Zeit massive Fortschritte gemacht hätten, wie die beiden Agenturinhaber betonen. Vielmehr sei es so, dass der Einsatz von KI eigentlich nur Vorteile bieten würde. Zum einen spare man sich die CO2-Abgaben, die man leisten müsse, wenn man zu Drehorten fliegt. Zum anderen würde die Produktionszeit deutlich kürzer. Selbst die Unternehmen würden immer mehr auf den Einsatz von KI pochen. Allein die Rechtsabteilung hätten noch Probleme damit, was sich aber, wenn zunehmend ganze Spots mit KI erstellt werden, auch drehen wird – sagen zumindest Raillard und Mokart.
Wie dem auch sei: AImagination soll künftig zwar noch das Studio sein, als das es geründet wurde – quasi als Testlabor, wie Markenkommunikation in Zukunft aussehen wird. „Im vergangenen Jahr haben wir bei AImagination intensiv die Möglichkeiten dieser Technologie ausgelotet, von Mode- und Luxusfilmen bis hin zu globalen sozialen Aktivierungen, als Teil unserer Mission, Storytelling mit Sinn für Stil, Schnelligkeit und kreativer Präzision zu verbinden“, so Fred + Farid.
Integration in den Agentur-Alltag
Nun gehe es daran, das Gelernte in die tägliche Arbeit umzusetzen. Um das möglichst effektiv und sinnstiftend zu gewährleisten, gibt es bei Fred + Farid das Motto: missachtet die Technik. Soll heißen, die Kreativen sollen nicht mit der ersten Lösung zufrieden sein sondern die Technik ausreizen, immer Neues probieren. „Es gibt nicht den einzigen Weg“, sind Raillard und Mokart überzeugt. „Unsere Kreativen sollen mit der Technik spielen, so wie Jimi Hendrix, der seine Gitarre zertrümmerte oder mit den Zähnen spielte und damit einen vollkommen neuen Sound kreiert hat.“
Was die Beiden damit sagen wollen? Es sei wie in der Formel eins. Man brauche neben einem guten Boliden einen exzellenten Fahrer, um zu gewinnen. Bei Fred + Farid sind diese Fahrer die Kreativen, die sich mit Werbung auskennen. „Es dauert Jahre, um zu verstehen, was Werbung wirklich bedeutet – diese Erfahrung kann man nicht überspringen, und der Zugang zu Tools macht einen noch nicht zum Profi. Oder, wie Henri Cartier-Bresson sagte: ,Ihre ersten 10.000 Bilder werden Ihre schlechtesten sein.‘“, so die beiden Top-Werber.
Jetzt geht es ihnen darum, Fred + Farid zu einer Agentur von morgen aufzubauen. Wozu für sie selbstverständlich auch gehört, einige der ersten großen Auszeichnungen zu gewinnen, die vollständig mit KI erzielt wurden. Auf dieses Ziel arbeitet man an allen Standorten aktuell hin.
Claudia Bayer 18.07.2025

