
Gastkolumne
Die Lust der KI - Oder wie KI Gefühle und Handlung verbindet
Text: Dr. Gordon Euchler
KI kann nicht.
KI hat keinen Faust geschrieben. KI hat nicht Platos Staat konzipiert. Nicht die Sonnenblumen gemalt. Und schon gar nicht die Mona Lisa. KI hat auch nicht den trommelnden Gorilla für Cadbury gemacht. KI kann Menschen – wenn es um große Kreativität geht – nicht ersetzen. Sagen Menschen die Angst haben.

Dr. Gordon Euchler
KI weckt Gefühle.
KI kann heute schon, was Menschen oft nicht können. KI bringt Menschen dazu, ihr erstes Lied zu schreiben. Sanskrit zu lernen. Endlich eine Therapie zu beginnen. Und Formel-
1-Ergebnisse zu analysieren. All das ist einfach, aber KI schafft auch eine Telco-Hotline, die Freundschaft hervorruft. KI lässt – anders als sture Mitarbeiter – einen Menschen seinen
emotionalen Support-Hund mit ins Flugzeug nehmen. KI weckt Gefühle.
Das sage ich nicht aus einem meiner Gefühle heraus (und schon gar nicht aus Angst), sondern auf Basis von 750.000 Menschen, die sich (und unserem Excitement-Points-Fragebogen), diese Gefühle eingestanden haben. Und diese Geschichten erzählt haben.
KIs geben Menschen heute schon 2,6 Prozent häufiger das Gefühl etwas Besonderes zu sein. 2,1 Prozent öfter das Gefühl von Abenteuer. Und 1,5 Prozent häufiger das menschlichste aller Gefühle: Gemeinschaft. Das ist oft mehr Emotion als in der Interaktion mit Menschen.
”KI weckt Gefühle. KI bringt Menschen aber auch dazu, zu handeln. (Gordon Euchler)
Gefühle? Wird Marketing mit KI noch softer?
Aber das ist noch nicht das Ende der KI-Überraschungen. KI geht eines der Grundprobleme von Marketing an. Marketing zeigt in nahezu jedem größeren Unternehmen, welchen
Einfluss es auf verschiedene KPIs hat. Im Tracking finden sich Sales-Funnel-KPIs, Awareness, Relevant Set, First Choice und auch Marken-Positionierungsstatements. Oft bezieht
sich Marketing auf sogenannte ‘softe’ KPIs, also KPIs, die zwar Einfluss auf Einstellungen aufzeigen, aber nur inidrekt oder langfristig Handlungen bei den Menschen und
damit Sales auslösen. Dies macht Marketing im Boardroom zu oft angreifbar. Und was hat der ganze Exkurs mit KI zu tun?
KI-Gefühle lassen Menschen handeln.
Nun, KI schafft, was Menschen im Marketing seit Jahrzehnten versuchen: KI weckt Gefühle. KI bringt Menschen aber auch dazu, zu handeln. Und dieses Geheimnis habe ich – für aufmerksame Leser – schon im ersten Absatz verraten. In den Nennungen ihrer Excitement Points haben die Menschen nicht einfach darüber gesprochen, dass sie mit OpenAI Sanskrit jetzt besser finden. Es considern. Oder es ihr First-Choice-Sprache ist. Nein, sie haben das Magische getan: gehandelt, angefangen, es einfach ausprobiert.
Und wenn KI es schafft einen Australier dazu zu bringen, Sanskrit zu lernen – dann sollten wir im Marketing doch auch noch bessere Wege finden, Schokolade zu verkaufen, Auto-Testfahrten zu starten und Smartphone-Nutzung verbessern.
Wenn wir es also mit KI schaffen Marketing – und sei es auch nur ein bis zwei Millimenter – aus der bequemenen Einstellungs-Softness herauszubringen und mit KI Handlungen und Käufe auslösen, dann ist der Beitrag von KI aus meiner Sicht fundamental.
Gordon Euchler ist ein gestandener Planner, arbeitete für unterschiedliche Agenturen – zuletzt als Director – Offering Lead Creative Consultancy bei Deloitte - und gründete im Herbst 2023 Spikes, eine Unternehmensberatung für Begeisterung. Für "new business" schreibt er über sein Thema Customer Centricity
Claudia Bayer 02.09.2025

