Auf dem Streaming-Markt in Deutschland gibt es derzeit viel Bewegung. Neben der Etablierung werbegestützter Angebote von US-Diensten steht mit HBO Max ein weiterer Anbieter in den Startlöchern. Der Dienst von Warner Bros. Discovery soll Anfang 2026 hierzulande starten. Der Wettbewerb um Abonkunden und Werbegelder wird sich in diesem Segment also weiter verschärfen.
Welche Entwicklungen deutschen Streaming-Markt derzeit prägen, welche Chancen, aber auch Herausforderungen die Übernahme von Sky für RTL+ birgt und welche Auswirkungen der Einstieg von US-Streaming-Plattformen in die Werbevermarktung für den deutschen Markt hat, verrät Henning Nieslony, Chief Streaming Officer von RTL Deutschland und damit für RTL+ verantwortlich, im Interview mit new business. Außerdem verrät der Medienmanager, wie RTL+ mit Partnerschaften weiter wachsen will.
new business: Herr Nieslony, wie bewertest Du den aktuellen Zustand auf dem deutschen Streaming-Markt? Inwiefern gibt es hier noch Wachstumspotenziale?
Henning Nieslony: Der deutsche Markt ist super dynamisch und hat noch eine Menge Potential. Dabei schauen wir durch unterschiedliche Brillen auf den Markt. Aus der Zielgruppen-Brille ist der Markt bei unter 29-jährigen Menschen recht dominant, während über 50-Jährige weiter in den Markt strömen. Für beide haben wir ein Angebot. Durch die Technologie-Brille können wir die Auffindbarkeit von Inhalten weiter optimieren – der deutsche Markt hat eine fantastische Vielfalt. Und durch die Geschäftsmodell-Brille betrachtet, geht es darum, in jedem Audience-Segment die richtige Balance zwischen Reichweite und Zahlungsbereitschaft zu finden.
nb: Wo steht RTL+ aktuell im deutschen Streaming-Markt?
Nieslony: RTL+ ist mit über 6,3 Millionen zahlenden Abonnentinnen und Abonnenten der stärkste deutsche Streamingdienst und baut seine Nummer 1 Position jeden Tag weiter aus. Im September konnten wir gleich zwei Alltime-Rekorde feiern: Mehr als elf Millionen Menschen haben RTL+ in diesem Monat genutzt – und wir liegen in allen Zielgruppen mit deutlichem Abstand vor der nationalen Konkurrenz.
nb: Wie positioniert sich RTL+ im umkämpften Wettbewerb der Anbieter? Welche Rolle spielen inzwischen fiktionale Eigenproduktionen im Vergleich zu Reality-TV und Dokus auf Eurer Plattform?
Nieslony: Formate wie Das Sommerhaus der Stars und Are You The One zählen schon jetzt zu den meistgestreamten Formaten des Jahres. Gleichzeitig setzen wir auch in der Fiction auf lokale Akzente. Mit Serien wie Euphorie, die in Gelsenkirchen spielt oder Nibelungen – Kampf der Königreiche, die deutsche Geschichte neu erzählt und ab dem 6. November verfügbar ist, differenzieren wir unser Angebot weiter aus. Auch unsere täglichen Serien bestätigen, dass unsere Streaming-Strategie aufgeht: Bei den 14- bis 29-Jährigen erfolgt bereits rund die Hälfte der Nutzung zeitversetzt auf RTL+.
nb: Welche Chancen, aber auch Herausforderungen birgt die Übernahme von Sky für RTL+ – abseits der aufgestockten Anzahl der zahlenden Abonnent:innen?
Nieslony: Eine mögliche Integration von Sky Deutschland in RTL Deutschland würde ein neues Kapitel im europäischen Streamingmarkt aufschlagen, die finale Entscheidung darüber steht allerdings noch aus. Strategisch ist das ein großer Schritt: Zwei starke Anbieter mit komplementären Stärken - RTL mit lokaler Content- und Vermarktungskompetenz, Sky mit Premium-Sport und Pay-TV-Expertise. Die Integration wird uns den ein oder anderen Klimmzug abverlangen etwa bei Markenführung, Technologie, Daten- und Rechtearchitektur. Aber in diese Übung gehen wir gut trainiert rein, sodass wir langfristig eine echte europäische Antwort auf globale Tech-Player mit vereinten Kräften in Content, Technologie und Distribution geben werden.
nb: Welche Auswirkungen hatte der Einstieg von US-Streaming-Plattformen in die Werbevermarktung für den hiesigen Streaming-Markt, aber auch speziell für RTL+?
Nieslony: Der Einstieg hat uns in unserer hybriden Strategie bestätigt. Ein Streamer muss alle Monetarisierungsformen anbieten, je nach Zahlungsbereitschaft des Kundensegments. Ökonomisch gesehen, hat sich das riesige Angebot weiter vergrößert und die Innovationszyklen angetrieben. Der Wettbewerb - gerade durch Global Player - war vorher schon groß und ist jetzt noch intensiver geworden.
nb: Was sind Deine Erwartungen im Hinblick auf die weitere Entwicklung des Streaming-Marktes?
Nieslony: Bündelung ist eine sinnvolle Antwort auf Fragmentierung, und RTL+ steht als nationaler Champion in der ersten Reihe. Neue Wettbewerber wie HBO Max vergrößern die Vielfalt und das ist für den Markt etwas Tolles. Gerade erst haben wir mit dem Start unseres RTL+-Zusatzkanals auf Prime Video bei Amazon ein neues Kapitel aufgeschlagen – ein weiterer Schritt, um unser Angebot noch breiter zugänglich zu machen und zu zeigen, wie Partnerschaften Wachstum schaffen können. Stephan Schmitter steht wie kein anderer im deutschen Markt für Kooperation und Allianzen und wir haben daher für alle potenziellen Partner eine starke Hand ausgestreckt. Der deutsche Markt war für alle nie spannender.
RTL baut Partnerschaft mit Prime Video aus
Mit dem Zusatzkanal von RTL+ können Amazon-Kund:innen in Deutschland und Österreich auf das Portfolio des Streamers zugreifen, ohne einen App-Wechsel vornehmen oder eine Prime-Mitgliedschaft abschließen zu müssen. Der Channel auf Prive Video enthält keine Werbung. Das Angebot ist bereits über den Amazon-Fire-TV-Stick und die Amazon-Fire-TV-Box verfügbar. Mit dem neuen Service wird das bestehende Angebot von RTL Deutschland auf Prime Video ausgebaut. Bislang sind bereits Channels zu Pay-TV-Kanälen wie RTL Crime, RTL Living und Geo Television auf Prime Video verfügbar.
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