
Das &-Zeichen ist ein Stilmittel - Foto: TJ Arnold on Unsplash
Gastkolumne
mein senf zu ki im design
war ja klar, dass das irgendwann kommt: mein senf zu ki. wahrscheinlich erwarten jetzt alle was bahnbrechend neues – etwas, das noch keiner gesagt hat.

Ricardo Distefano - Foto: Parasol Island
tut mir leid. ich seh’s wie fast alle anderen auch: ki macht uns effizient. schneller. sauberer. fehlerfreier.
der satz „ki hat keinen geschmack, aber dafür zeit“ ist mittlerweile schon ein brancheninternes mantra. oder mein persönlicher favorit: „ki ist wie ein hochmotivierter praktikant ohne geschmack – mit unendlicher energie und null krankentagen.“
stimmt alles. aber ich hab ein echtes problem mit ki – und zwar genau dieses kleine zeichen gerade. was davor element of style war. Go read william strunk & e.b. white – please – dann reden wir weiter.
ein zeichen für feingefühl, für rhythmus, für jemanden, der wusste, wann ein gedanke luft braucht.
heute? einfach nur tell für einen ai-text. was früher ein stilmittel war, ist jetzt syntax. gestohlen. verwässert. verallgemeinert. das zieht sich durch alles. Früher schrieb man ein „&“ statt „und“, weil es einfach schöner aussah – und weil man’s konnte.
”wirklich gute gestaltung entsteht da, wo menschen sich verlieren. (Ricardo Distefano)
heute ist alles glattgebügelt, generisch, effizient. „gut“ ist universell geworden
– aber „fucking großartig“ bleibt handarbeit. denn wirklich gute gestaltung entsteht da, wo menschen sich verlieren. in details, typografie, rhythmus. wo man fummelt, streitet, streicht – bis es stimmt.
ki kann das nicht allein. never has. never will. sie kann schreiben, aber nicht umschreiben. sie kann zeichnen, aber nicht entscheiden. sie kann füllen, aber nicht fühlen. sie kennt worte, aber keinen geschmack. sie kann schönheit beschreiben – aber sie nie wirklich bemerken.
ki ersetzt schon designer – und gleich ganz viele hierarchieebenen mit. aber die, die schon immer wussten, was sie tun und einen signature style & distinct character haben, werden weiter gebraucht. so wie es bei uns immer war.
Alle, die Ricardo Distefano kennen wissen: er hat fast immer Großes vor, schreibt aber immer klein. Rechtschreibung und Grammatik stoppen ihn nicht, seinen Mund aufzumachen, wenn er eine Meinung hat. Darum enden seine Texte (fast) immer mit "mein senf".
Claudia Bayer 07.11.2025

