
Sönke Hansen will sein Lebenswerk international wettbewerbsfähig halten - Foto: ameo
ameo-Gründer erläutert den Verkauf an Mindgruve
Vor gut zwei Wochen berichtete new business über den Verkauf der 2015 gegründeten Digitalagentur ameo an die amerikanische Agenturgruppe mindgruve mit Headquarter im kalifornischen san Diego. Im Interview mit new business erläutert der ameo-Gründer und CEO Sönke Hansen nun, warum er sich für diesen Weg entschieden hat, obwohl die Agentur 2025 ihr wirtschaftlich erfolgreichstes Jahr hinter sich hat.
Das in Hamburg ansässige, knapp 40 Köpfe starke ameo-Team hat 2025 über alle Accounts hinweg im Bereich Demand Side Platform (DSP) und Sponsored Ads ein Werbebudget in Höhe von 45.2 Millionen Euro betreut. Das entspricht in etwa einer Verdopplung gegen 2024.
In der new business-Printausgabe (hier geht es zum Abo) stellt das mindgruve-Führungs-Duo ihre Strategie für die Expansion in Europa vor und erklärt, welche Rolle ameo und der deutsche Markt dabei spielen.
new business: "ameo ist Jahr für Jahr gewachsen, blickt auf das beste Jahr seit Gründung zurück und steht wirtschaftlich proper dar. Warum verkaufen Sie just jetzt? Was war der strategische Trigger zugunsten von Mindgruve?"
Sönke Hansen, Gründer und Geschäftsführer ameo: "2025 war unser bisher stärkstes Jahr und genau da wurde klar, wie schnell sich Amazon Richtung Internationalisierung, Tooling und Spezialisierung verschiebt. Wir machen das seit zehn Jahren: Aus Search/SEO ist ein Omnichannel-Ökosystem geworden. Wir sind 2025 beim Advertising Budget um mehr als 150 Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen, aber im Kern in Deutschland. Viele Kunden könnten schneller skalieren, wenn wir Multi-Country und kanalübergreifend unterstützen. Mindgruve war deshalb die logische Konsequenz: mehr Services, mehr Länder, stärkeres Setup. Ein Upgrade aus Stärke."
new business: "Wenn wir schon beim Rekordjahr sind: Was hat sich 2025 konkret verbessert – Umsatz, Team, Kundenmix? Und wo lagen die größten Wachstumstreiber?"
Sönke Hansen: "2025 haben wir in allen drei Dimensionen zugelegt: Umsatz, Team und die Reife der Kundenanforderungen. Der Kundenmix hat sich Richtung größerer, professionellerer Marken verschoben, die Amazon nicht mehr isoliert denken, sondern Full-Funnel planen. Wachstumstreiber waren Spezialisierung im Team und ein stärkeres Daten- und Tool-Setup – etwa rund um AMC und neue Reichweiteninventare wie Prime Video Ads."
new business: "Sie sagen, ameo sei nie „nur“ ein Amazon-Spezialist für einzelne Services gewesen. Wohin soll das Leistungsprofil jetzt entwickelt werden und was soll sich durch Mindgruve in den nächsten Jahren konkret verändern?"
Sönke Hansen: "Wir haben uns nie als Agentur für einen einzelnen Service verstanden, sondern uns entlang der Fragestellungen unserer Marken weiterentwickelt. Die nächste Entwicklungsstufe ist klar: ganzheitliche, messbare Marketingmaßnahmen, die über Länder hinweg konsistent ausgesteuert werden können. Entscheidend wird eine holistische Marketingplanung – strategisch, aber auch mit einem belastbaren Tech- und Daten-Setup, das Kanäle und Märkte zusammenführt."
new business: "Wenn Sie auf diese Entwicklung schauen: Wie hat sich die Arbeit verändert? Welche Entscheidungen stehen heute im Zentrum?"
Sönke Hansen: "Heute ist Amazon in den Unternehmen fest verankert und wir sehen eine klare Professionalisierung auf allen Ebenen. Marken sind insgesamt besser aufgestellt und genau dadurch ist der Wettbewerb härter geworden. Die zentrale Frage lautet inzwischen: Wo bringt der nächste Werbe-Euro den höchsten Effekt? Auf Amazon, in Retail Media oder in anderen Kanälen? Viele Unternehmen steuern heute ihre Budgets iterativ, datenbasiert und deutlich stärker performance-getrieben. Vor zehn Jahren war TV für viele noch der Referenzpunkt. Heute entscheidet die Messbarkeit über die Allokation."
new business: "Amazon ist mit über 60 Prozent Marktanteil im deutschen E-Commerce extrem dominant und das Werbe-Portfolio hat sich mit DSP, Prime Video Ads und der Amazon Marketing Cloud spürbar verbreitert. Verschiebt sich der Fokus damit weg von reiner Performance hin zu Branding und Awareness? Oder ist das am Ende nur ein neues Buzzword?"
Sönke Hansen: "Der Shift ist real, weil Marken inzwischen auf Amazon nicht nur Abverkauf steuern, sondern auch Reichweite und Markenaufbau. Prime Video Ads und DSP bringen Reichweiten-Logiken rein, die früher eher außerhalb von Amazon lagen. Die Herausforderung ist: Branding und Performance dürfen nicht gegeneinander laufen, sondern müssen aufeinander abgestimmt werden. Sonst optimiert man in die falsche Richtung oder, schlimmer noch, verbrennt Budget."
new business: "Mehr Formate, mehr Touchpoints, mehr Daten. Das klingt nach deutlich mehr Komplexität. Wo entscheidet heute Ihr Tool- und Daten-Setup über Wettbewerbsfähigkeit? Und welche Rolle spielt KI in der Praxis wirklich?"
Sönke Hansen: "Ein leistungsfähiges Setup ist inzwischen die Grundvoraussetzung; nicht nur Effizienz-Faktor. Datenmengen wachsen, die Customer Journey ist fragmentierter, und Entscheidungen müssen schneller datenbasiert getroffen werden. KI hilft vor allem dort, wo es um Analyse, Prognosen und Priorisierung geht – also Muster erkennen, Hypothesen ableiten, Optimierungsräume schneller identifizieren. Aber die Richtung muss weiterhin ein Mensch verantworten."
new business: "Warum haben Sie sich für Mindgruve als Käufer entschieden – was war der konkrete Ausschlag? Welche Fähigkeiten oder Assets waren wirklich entscheidend?"
Sönke Hansen: "Entscheidender Punkt war die strategische Logik: Amazon-Tools und Mechaniken sind global identisch, während Kunden immer internationaler denken. Mindgruve bringt zusätzlich einen starken technologischen Unterbau mit, der es ermöglicht, Amazon-Daten stärker mit SEO- und Paid-Daten außerhalb von Amazon zu verknüpfen und mithilfe von KI besser auszuwerten. Nur wer heute die Datenpools sauber zusammenbringt und besser auswertet, kann seinen Kunden völlig neue Möglichkeiten in Analyse und Optimierung bieten. Das macht die Performance von Marketing aus. Kulturell passt Mindgruve auch: Datengetrieben, Menschorientiert, Inhabergeführt. Agenturleben ist People-Business, das ist ein zentraler Punkt für den Erfolg. Das war für uns das entscheidende Argument."
Die Fragen stellte Peter Strahlendorf
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Peter Strahlendorf 09.02.2026

