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Die Jungen pflegen zur KI ein ambivalentes Verhältnis und geben dem Chatbot einen Kosenamen - Foto: DJ Johnson on Unsplash

Kuscheln mit dem Chatbot

Dass sich KI inzwischen aus dem Alltag der meisten Menschen nicht mehr wegzudenken ist, wäre in Zeiten wie diesen keine Meldung wert. Schließlich nutzen inzwischen fast 60 Prozent der Menschen mindestens einmal monatlich eine KI. In der GenZ sind es sogar 87 Prozent, die die Vorteile der Technik für sich entdeckt haben. Selbst 65 Prozent der Boomer, also derjenigen, die noch mit Fernschreiber, Telefax, Walkman und Telefonen mit Drehscheibe aufgewachsen sind, sehen in ihr eine klare Zeitersparnis im Alltag.

Wie stark und in welchen Bereichen sich die Künstliche Intelligenz bereits in den Alltag der Bevölkerung eingenistet hat, zeigt jetzt die repräsentative Umfrage „Publicis more: Wie KI unser Leben verändert“. Hiernach nutzen 41 Prozent der Bevölkerung – und zwar über die Generationen hinweg – vor allem für private Recherchen. 28 Prozent gaben an, ihre Texte mit Hilfe einer KI zu erstellen. Die Möglichkeit des Preisvergleichs wird hingegen vor allem von den jüngeren Generationen genutzt. Über die Hälfte von ihnen gab an, bei bei Produktvergleichen oder beim Shopping auf künstliche Intelligenz zurückzugreifen, um das für sie optimal erscheinende Angebot herauszufiltern.

Schmaler Grat zwischen Nutzen und Missbrauch

Dabei ist gerade die Generation Z diejenige, die den schmalen Grat zwischen Datenmissbrauch und Nutzen auf dem Schirm hat. Insgesamt stehen 60 Prozent der Befragten dieser Frage mit einem gemischten Gefühl gegenüber, wobei der Ausschlag der Antworten ganz klar in Richtung der jüngeren Generation zeigt. Sie ist es übrigens auch, die sich am meisten von der Flut der KI-generierten Inhalte überwältigt ist, die täglich auf einen einprasselt. Entsprechend hinterfragt die GenZ zunehmend den Mehrwert, der aus der Nutzung von KI vermeintlich entsteht.

Entsprechend gestaltet sich auch das Bild, das im Rahmen der Beurteilung von KI-generierter Werbung gezeichnet wird. So gibt über die Hälfte der jungen Befragten (Gen Z) an, KI-generierter Werbung nicht zu vertrauen, da sie unauthentisch wirkt. Andersrum sagen aber auch 55 Prozent dieser der bis 27-Jährigen, dass sie der KI bei Produktempfehlungen vertraut und rund 40 Prozent finden KI-generierte Werbemittel authentisch.

Bemerkenswert ist, dass in diesem Zusammenhang anscheinend die Boomer-Generation, also diejenigen, denen eigentlich eine gewisse Lebenserfahrung nachgesagt werden kann, in Sachen KI noch etwas naiv unterwegs zu sein scheinen. Während die jüngeren Generationen KI-Inhalte (Texte, Bilder, Videos) mehrheitlich erkennen und hinterfragen, bekannten die Boomer, keinen Unterschied zu erkennen, respektive entsprechende Ausspielungen nicht zu überprüfen.

Freund Chatbot

Quelle: Publicis More, Basis: Alle Befragten 18-75 Jahre, die KI zumindest seltener nutzen und bewerten können (968 - 1.031 Fälle), Anteil in %, Top 3 Zustimmung einer 7er Skala, Frage: Wie sehr stimmen Sie den folgenden Aussagen zu? KI hat schon einmal mein Verhalten oder meine Entscheidung beeinflusst bei ...

Der letzte Punkt, den repräsentative Umfrage „Publicis more: Wie KI unser Leben verändert“ herausgefiltert hat, wurde auch bereits in den „The Future 100“ hervorgehoben, die das zur WPP-Holding gehörende Kreativnetzwerk VML jüngst veröffentlichte: die GenZ kann sich eine persönliche Beziehung mit einer KI vorstellen. Über die Hälfte der GenZ und 44 Prozent der GenY gaben an, die emotionale Seite der KI zu schätzen. Mit der Folge, dass sie „Chatti“ als einen Freund betrachten und der KI Dinge anvertrauen, über die sie mit einem anderen Menschen nie reden würden. Mehr noch, hier sprechen die jüngeren Generationen gar von persönlichen Gefühlen, die bei ihnen in der Konversation mit der KI entstehen.

Dazu passt eine weitere – grundsätzlich nicht neue - Erkenntnis der Umfrage: Künstliche Intelligenz hat die Suche im World Wide Web auf den Kopf gestellt. Inzwischen begnügen sich 46 Prozent der Menschen mit den Antworten, die die KI für sie zusammengestellt hat, anstatt einzelne Websites zu besuchen. Das Gefährliche daran: gerade die jüngeren Generationen (47%), die schließlich angaben, Empfehlungen, die ihnen von einer KI ausgespielt werden, zu hinterfragen und KI-generierte Inhalte aus dem FF zu erkennen, vertrauen den KI-Zusammenstellungen mehr als herkömmlichen Suchtreffern.

Entsprechend fasst Dr. Daniela Tollert, Chief Operating Officer Publicis Media DACH die Kernergebnisse der Studie mit Blick auf die Unternehmen zusammen: „KI revolutioniert die Consumer Journey fundamental. Die strategische Auseinandersetzung mit KI ist für Marken und ihre Agenturen daher nicht optional, sondern essenziell. Wer die neuen Spielregeln der KI-Ära versteht und proaktiv umsetzt, sichert sich nachhaltig den Zugang zu seinen Zielgruppen und festigt seine Marktposition.‘‘

Wobei sie sicherlich noch einen weiteren Punkt im Hinterkopf hatte: Laut Studie können sich 40 Prozent der Menschen vorstellen, künftig ihre Einkäufe über ein KI-Tool zu tätigen.