
Visual: Pro Quote Medien
Gleichstellung ausgebremst – Leitmedien fallen beim Frauenanteil zurück
Der Anteil von Frauen in leitenden redaktionellen Funktionen großer deutscher Print- und Online-Medien ist erneut zurückgegangen. Laut Erhebung des gemeinnützigen Vereins Pro Quote Medien, Hamburg, aus Februar 2026 liegt der sogenannte Frauenmachtanteil nun bei 37,5 Prozent. Damit setzt sich der Abwärtstrend des Vorjahres fort. Pro Quote sieht darin ein Warnsignal für die Branche.
Ergebnisse im Überblick
Die TAZ führt das Ranking weiterhin an und kommt auf einen Frauenmachtanteil von 61,3 Prozent, verzeichnet jedoch einen deutlichen Rückgang von -3,8 Prozent gegenüber Juli 2025. Auf Platz zwei folgt die Süddeutsche Zeitung, die ihren Anteil auf 52,7 Prozent (+4,8 %) steigern konnte. Die Zeit rückt mit 42,6 Prozent auf Rang drei vor. Der Spiegel fällt nach einem Minus von 3,9 Prozentpunkten auf Platz vier zurück. Bild, Stern, FAZ und Focus bewegen sich nahezu auf dem Niveau der vorherigen Erhebung.
Besonders niedrig bleibt der Frauenanteil bei der Welt. Dort sank der Wert auf 16,7 Prozent. Da der designierte Chefredakteur Helge Fuhst zum Zeitpunkt der Zählung noch nicht im Impressum stand, wurde er nicht berücksichtigt. Mit ihm läge der Anteil laut ProQuote bei 14,9 Prozent.
Einordnung durch ProQuote
Wie auch im letzten Jahr bewertet ProQuote die Entwicklung kritisch. Der erneute Rückgang zeige, dass Gleichstellung in Führungspositionen nicht automatisch voranschreite. Vielfalt in Redaktionen sei entscheidend, um unterschiedliche Perspektiven in der Berichterstattung abzubilden und damit journalistische Qualität sowie demokratische Diskurse zu stärken.
ProQuote Medien analysiert seit 2012 die Impressen zentraler deutscher Leitmedien. Die Auswertung berücksichtigt die Hierarchieebenen der jeweiligen Positionen, sodass höher angesiedelte Funktionen stärker gewichtet werden. Ziel des Vereins ist eine paritätische Besetzung journalistischer Spitzenposten.
Zum Weiterlesen:
Frauenanteil in Führungspositionen im Journalismus wiederholt rückläufig
Frauke Jacoby 13.02.2026

