
Cindy Rose plant WPP bis 2028 wieder auf die Erfolgsspur zu bringen – Foto: WPP
Radikaler Neustart: WPP ordnet Konzernstruktur neu
WPP stellt seinen Konzern umfassend neu auf und reagiert damit auf eine anhaltende Schwäche im Kerngeschäft sowie strukturelle Defizite, die CEO Cindy Rose, seit September 2025 im Amt, offen benennt. Im offiziellen Strategiepapier vom 26. Februar 2026 heißt es, die jüngere Entwicklung sei durch "übermäßige organisatorische Komplexität" und eine "fehlendes integriertes Operating Model" belastet, was als Kritik an Roses Vorgängern, Gründer Martin Sorell und Ex-CEO Mark Read, verstanden werden kann. Mit dem Programm Elevate28 will WPP wieder auf Wachstumskurs kommen, die Organisation vereinfachen und das Angebot stärker auf KI‑gestützte Dienstleistungen ausrichten.
Seit ihrem Amtsantritt tritt CEO Cindy Rose deutlich präsenter auf als ihr Vorgänger. In ihrer ersten globalen Townhall zeigte sie sich nahbar und betonte, WPP stehe an einem "Wendepunkt". Sie kündigte damals an, die Strategie "neu zu schreiben". Was sie damit meinte konkretisierte sie im November 2025, als sie die ersten zwei Punkte ihrer neuen Strategie bekannt gab: zum einen die Personalie Conrad Persons und zum anderen das Mitwirken der Unternehmensberatung McKinsey.
Der neue Global Chief of Staff
Ein zentraler Baustein der nun verkündeten Neuaufstellung war die Ernennung von Conrad Persons zum Global Chief of Staff im November 2025, übrigens eine neu geschaffene Rolle. Persons war zuvor Global Strategist bei Kantar, später President und CEO von Grey London. Mit dem Wechsel ins Group Center rückt er in die strategische Schaltstelle des Konzerns und wird zu einem wichtigen Vertrauten von Rose. Seine Aufgabe: die Transformation koordinieren und die Umsetzung der neuen Strategie beschleunigen.
McKinsey begleitet die Strategieentwicklung
Parallel hatte Rose die internationale Unternehmensberatung McKinsey & Company beauftragt, die strategische Neuausrichtung zu unterstützen und einem Stresstest zu unterziehen. Erste Ergebnisse sollen in Kürze vorliegen. Die erneute Einbindung externer Berater zeigt, wie tiefgreifend der Umbau angelegt ist und wie groß der Druck ist, verlorenes Vertrauen bei Investoren zurückzugewinnen. WPP musste im Oktober 2025 eine zweite Gewinnwarnung aussprechen und wurde Anfang November 2025 aus dem MSCI‑UK‑Index gestrichen.
Elevate28: Vier globale Einheiten statt Holdingstruktur
Kern des Programms Elevate28 ist der Abschied von der bisherigen Holdinglogik. WPP soll künftig als ein integriertes Unternehmen geführt werden, strukturiert in vier globale Einheiten:
- WPP Media
- WPP Creative
- WPP Production
- WPP Enterprise Solutions
Diese sollen in vier Regionen operieren: Nordamerika, Lateinamerika, EMEA und APAC. Ziel ist es, Entscheidungswege zu verkürzen, Doppelstrukturen abzubauen und Kund:innen ein konsistenteres, KI‑gestütztes Leistungsangebot zu machen. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Plattform WPP Open, die Daten, KI‑Tools und Workflows über alle Bereiche hinweg verbindet.
Einsparungen, Personalabbau und strukturelle Eingriffe
Die im Strategiepapier angekündigten 500 Mio. Pfund an jährlichen Einsparungen bis 2028 setzen WPP unter erheblichen Transformationsdruck. Das Unternehmen spricht offiziell von "Anpassungen des Betriebsmodells", "Beseitigung von Doppelstrukturen in Support-Funktionen" und "Effizienzsteigerungen im Immobilienbereich", also Flächenreduktion und Standortkonsolidierung – Formulierungen, die in der Branche als klare Hinweise auf einen umfangreichen Stellenabbau verstanden werden. Konkrete Zahlen nennt WPP nicht, doch die Größenordnung der geplanten Kostensenkungen lässt erwarten, dass sowohl zentrale Funktionen als auch einzelne Agenturen betroffen sein werden. Bereits 2025 belasteten höhere Abfindungszahlungen die operative Marge, was zeigt, dass der Personalumbau bereits begonnen hat.
Finanzielle Ausgangslage: deutliche Rückgänge 2025
Der Umbau erfolgt vor dem Hintergrund schwacher Geschäftszahlen. 2025 sank der Umsatz auf 13,55 Mrd. Pfund, ein Rückgang von 8,1 Prozent. Die operative Marge fiel auf 2,8 Prozent, die headline operating margin auf 13,0 Prozent. Die Top‑25‑Kunden reduzierten ihre Ausgaben, und mehrere Regionen, darunter Nordamerika und Großbritannien, verzeichneten zweistellige Rückgänge im Media‑Geschäft.
Drei Phasen bis 2028
WPP teilt die Transformation in drei Etappen:
- 2026 – Stabilisieren: Verbesserung des Neugeschäfts, erste Einsparungen, Portfolioüberprüfung.
- 2027 – Aufbau: Umsetzung des neuen Operating Models, Rückkehr zu organischem Wachstum.
- Ab 2028 – Beschleunigen: einfachere Struktur, niedrigere Kosten, KI‑getriebenes Geschäftsmodell.
Finanziell plant WPP bis 2028 die rund 500 Mio. Pfund jährlicher Einsparungen teilweise in Wachstumsfelder zu reinvestieren. Die Kosten für den Umbau liegen laut Rose, über zwei Jahre verteilt, bei rund 400 Mio. Pfund.
Der Umbau reiht sich ein in eine Entwicklung, die die gesamte Kommunikationsbranche prägt: große Netzwerke verschlanken ihre Strukturen und richten sich stärker auf integrierte, datenbasierte Angebote aus. WPP geht dabei weiter als viele Wettbewerber und stellt nahezu alle zentralen Organisationsprinzipien infrage. Für Cindy Rose bedeutet das einen langen und anspruchsvollen Weg: Sie muss die operative Leistungsfähigkeit während der Transformation sichern, das Vertrauen großer Kund:innen zurückgewinnen und gleichzeitig die Kapitalmärkte überzeugen, dass WPP wieder verlässliche Perspektiven bietet.
Frauke Jacoby 26.02.2026

