
Nur eine Woche nach der Absage an Warner Bros. Discovery hat Netflix in Sachen AI die Klappe fallen lassen - Foto: Netflix
Ben Afflecks KI-Firma geht an Netflix
Nachdem der Streaminganbieter Netflix erst Ende Februar 2026 aus dem Bieterstreit um die Übernahme von Warner Bros. Discovery ausgestiegen ist, haben die Amerikaner nun anderweitig zugeschlagen und einen Deal mit dem international bekannten Schauspieler und Filmemacher Ben Affleck besiegelt. Inhalt ist die Übernahme seines im Jahr 2022 gegründeten KI-Startups InterPositive, das Filmemachern Tools an die Hand gibt, mit denen die „im Mittelpunkt des Produktionsprozesses stehen“, wie es heißt.
Über die Bedingungen der Akquisition wurde Stillschweigen vereinbart. Öffentlich gemacht wurde lediglich, dass Netflix das gesamte 16-köpfige Team von InterPositive, bestehend aus Ingenieuren, Forschern und Kreativen übernimmt und Ben Affleck als Senior Advisor für Netflix tätig sein wird, um das Unternehmen weiterhin zu beraten.
Weiter heißt es, dass Netflix seinen kreativen Partnern Zugang zu den Technologien von InterPositive bieten will und keine Pläne habe, diese kommerziell zu verwerten.
Hinter den zitierten Technologien steht, wie Affleck betont, nicht, dass die Filmproduktionen generativen KI-Videos à la OpenAI's Sora erstellen. „Es geht nicht darum, Textvorgaben zu machen oder etwas aus dem Nichts zu generieren“, sagte Affleck über den Ansatz von InterPositive in einem Video, das Netflix zusammen mit der Ankündigung der Übernahme veröffentlichte. „KI wird meist damit assoziiert, etwas aus dem Nichts zu erschaffen: ‚Ich tippe etwas in einen Computer ein und er gibt mir einen Film aus'. Das ist hier nicht der Fall.“
Das InterPositive-System erstellt ein KI-Modell auf der Grundlage der Tagesaufnahmen einer bestehenden Produktion und ermöglicht es einem Filmemacher dann, dieses Modell in den Postproduktionsprozess einzubringen, um beispielsweise Mischungen und Farbkorrekturen vorzunehmen, Aufnahmen neu zu beleuchten und visuelle Effekte hinzuzufügen, erklärt Affleck darin weiter.
Bela Bajaria, Chief Content Officer bei Netflix, sagte, die KI-Technologie von InterPositive werde den Partnern „mehr Auswahl, mehr Kontrolle und mehr Schutz für ihre Vision“ bieten.
„Unsere Beziehung zu Künstlern basiert seit jeher auf Vertrauen: Wir unterstützen ihre Kreativität in vollem Umfang und stellen sicher, dass sie selbst entscheiden können, wie ihre Filme und Serien produziert werden“, erklärte Bajaria in einer Stellungnahme. „Wir glauben, dass neue Tools die kreative Freiheit erweitern sollten, anstatt sie einzuschränken oder die Arbeit von Autoren, Regisseuren, Schauspielern und Crews zu ersetzen. Ben und sein Team bei InterPositive stehen in einer langen Tradition unserer Branche, in der Künstler eine Vorreiterrolle dabei spielen, wie Innovation im Storytelling eingesetzt wird. Ihre Arbeit zielt darauf ab, Filmemachern mehr Auswahlmöglichkeiten, mehr Kontrolle und mehr Schutz für ihre Vision zu bieten. Wir freuen uns darauf, gemeinsam auf diesem Erbe aufzubauen, wobei die Kreativen und ihre künstlerischen Absichten im Mittelpunkt unseres Handelns stehen.“
Elizabeth Stone, Chief Product and Technology Officer bei Netflix, betont, dass die heute verfügbaren generativen KI-Videoplattformen im Allgemeinen nicht aus der Perspektive eines Filmemachers arbeiten. Sie erklärte, dass die Tools von InterPositive darauf ausgelegt sind, Filmemachern bei der Produktion hochwertigerer Inhalte zu helfen – es gehe nicht darum, Filme oder Fernsehsendungen schneller oder billiger zu produzieren.
Elisabeth Stone: "Unser Ansatz in Bezug auf KI war schon immer darauf ausgerichtet, den Bedürfnissen der kreativen Community und unserer Mitglieder sinnvoll gerecht zu werden. Das InterPositive-Team schließt sich Netflix an, weil wir die gemeinsame Überzeugung teilen, dass Innovation Geschichtenerzähler befähigen und nicht ersetzen sollte. Die beeindruckende Technologie von InterPositive wurde speziell für Filmemacher und Showrunner entwickelt, damit sie mit Tools arbeiten können, die ihre kreativen Visionen und die Art und Weise, wie sie diese umsetzen möchten, auf natürliche Weise unterstützen. Wir freuen uns, das Team von InterPositive bei Netflix willkommen zu heißen und weiter an einer Zukunft der Unterhaltung zu arbeiten, in der Technologie zwar eine Rolle bei der Entstehung von Geschichten spielt, aber Menschen – mit ihren Ideen, ihrem Handwerk und ihrem Urteilsvermögen – weiterhin im Mittelpunkt großartiger Geschichten stehen."
Ben Affleck: "Wir müssen das bewahren, was das Geschichtenerzählen menschlich macht, nämlich das Urteilsvermögen. Das Urteilsvermögen, das Jahrzehnte braucht, um sich zu entwickeln, das durch Erfahrung verfeinert wird und das nur Menschen haben können. Ich wusste, dass ich gegenüber meinen Kollegen und unserer Branche eine Verantwortung hatte, die Kraft der menschlichen Kreativität und die Menschen dahinter zu schützen."
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Claudia Bayer 06.03.2026

