
Das Bündnis Zukunft Presse von MVFP und BDZV hat Anfang Mai 2026 den Einsatz für unabhängigen Journalismus geehrt – Foto: Jason Harrell
"Pressefreiheit ist die Bedingung dafür, dass Demokratie atmen kann"
In Berlin sind Anfang Mai 2026 wurde der Pressefreiheitspreis des Bündnisses Zukunft Presse vergeben: die Preisträger:innen sind der in Hongkong inhaftierte Verleger Jimmy Lai, die langjährige Österreich‑Korrespondentin der Süddeutschen Zeitung Cathrin Kahlweit sowie der Krisen‑ und Konfliktreporter der FUNKE‑Mediengruppe Jan Jessen. Die beiden im Bündnis zusammengeschlossenen Verbände – der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) und der Medienverband der freien Presse (MVFP) – würdigen damit Menschen, die unter schwierigen Bedingungen für Pressefreiheit und verlässliche Information einstehen.
Vor rund 160 Gästen aus Medien, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft betonte Bundestagspräsidentin Julia Klöckner in ihrer Keynote die zentrale Rolle unabhängiger Medien für demokratische Systeme. Sie verwies darauf, dass Angriffe auf Journalist:innen immer auch Angriffe auf demokratische Grundprinzipien seien.
Julia Klöckner: "Pressefreiheit ist kein Luxus. Sie ist die Bedingung dafür, dass Demokratie atmen kann. Deshalb: Streiten wir über Themen. Und schützen wir die, die sie ans Licht bringen. Das schulden wir übrigens auch denjenigen, die in Autokratien für Pressefreiheit kämpfen."
Würdigungen der Preisträger:innen
Die Laudatio auf Jimmy Lai hielt Oksana Brovko, CEO der ukrainischen Association of Independent Regional Press Publishers. Sie hob Lais Bedeutung für die Demokratiebewegung in Hongkong hervor. Den Preis nahm stellvertretend sein Sohn Sebastian Lai entgegen, der auf die prekäre Haftsituation seines Vaters aufmerksam machte.
Cathrin Kahlweit wurde von SZ‑Gerichtsreporterin Annette Ramelsberger gewürdigt, die ihre präzise Analysefähigkeit und ihre langjährige Arbeit als Auslandsreporterin hervorhob. In ihrer Dankesrede betonte Kahlweit die Bedeutung unabhängiger Medien für demokratische Transformationsprozesse, insbesondere mit Blick auf die Ukraine.
Für Jan Jessen sprach Susanne Koelbl, Auslandskorrespondentin des Spiegel. Sie hob Jessens kontinuierliche Berichterstattung aus Kriegs‑ und Krisengebieten hervor und betonte die Bedeutung journalistischer Präsenz vor Ort. Jessen selbst verwies in seiner Rede auf die zunehmende Verbreitung von Desinformation und die Verantwortung des Journalismus, dem entgegenzuwirken.
Die Sprecher des Bündnisses, Philipp Welte (MVFP) und Matthias Ditzen‑Blanke (BDZV), unterstrichen die Bedeutung stabiler Rahmenbedingungen für unabhängigen Journalismus. Der mit jeweils 10.000 Euro dotierte Preis soll nicht nur herausragende Leistungen würdigen, sondern auch ein Signal an Politik und Gesellschaft senden: Eine demokratische Öffentlichkeit brauche eine wirtschaftlich tragfähige und unabhängige Presse.
Frauke Jacoby 08.05.2026

