
Quelle: Brand Finance
Wie stark B2B Marken den Unternehmenswert prägen
Die neue Ausgabe des Brand‑Finance‑Rankings zu den weltweit wertvollsten B2B‑Marken zeigt, wie stark immaterielle Werte inzwischen in die Bilanz großer Unternehmen hineinwirken. Die 300 untersuchten Marken stehen laut Bericht für „Trillionen an intangible value“ – ein Hinweis darauf, wie sehr Vertrauen, Risikoabwägung und Marktpositionierung Kaufentscheidungen im B2B‑Geschäft bestimmen. Die Analyse umfasst mehr als 25 Branchen und reicht von reinen B2B‑Anbietern bis zu hybriden Plattformmodellen.
Markenstärke wirkt wie ein finanzieller Hebel
Besonders deutlich wird der Zusammenhang zwischen Markenqualität und Finanzierungskosten. Laut Brand Finance zahlen Unternehmen mit starken Marken im Schnitt deutlich geringere Risikoaufschläge: Zwischen Top‑Tier‑ und schwächeren Marken liegt der Unterschied bei 60 Basispunkten – ein Effekt, der sich bei großen Kreditvolumina schnell in zweistellige Millionensummen übersetzt.
Auch an den Kapitalmärkten zeigt sich ein klares Muster: AAA‑Marken werden mit höheren Multiples bewertet. Sie handeln im Schnitt bei 20,9‑fachen EBIT, 19,7‑fachen Forward‑KGV und 3,4‑fachen Umsatz, während B‑Marken nur auf 14,3x, 11,9x und 1,0x kommen. Besonders groß ist der Abstand beim Umsatzmultiple – ein Hinweis darauf, dass Investoren starke Marken als verlässlicheren Indikator für künftiges Wachstum betrachten.
Starke Marken federn Krisen besser ab
Die Daten aus der COVID‑19‑Marktphase 2020 dienen Brand Finance als Belastungstest. Während alle Markenklassen an Wert verloren, fiel der Rückgang bei AAA‑Marken mit –26 % deutlich geringer aus als bei A‑Marken, die –46 % einbüßten. Die Analyse legt nahe, dass Investoren in unsicheren Zeiten stärker zwischen Markenqualitäten unterscheiden und Kapital in Unternehmen mit hoher wahrgenommener Stabilität umschichten.
Microsoft bleibt vorn – NVIDIA überholt Amazon
An der Spitze des Rankings steht erneut Microsoft, dessen B2B‑Markenwert um 18 Prozent auf 344,2 Milliarden US‑Dollar steigt. Die Autoren führen das auf stabile Cloud‑ und Softwareerlöse sowie die wachsende Rolle des Konzerns in der Unternehmens‑KI zurück.
NVIDIA rückt erstmals auf Platz zwei vor – mit einem Markenwert von 184,3 Milliarden US‑Dollar, einem Plus von 110 Prozent. Der Chipkonzern profitiert massiv vom globalen KI‑Boom, steht aber zugleich unter erhöhter Beobachtung, da die Bewertung zuletzt stark schwankte.
Amazon fällt auf Rang drei, steigert seinen B2B‑Markenwert aber dennoch um 26 Prozent auf 139,2 Milliarden US‑Dollar.
Dahinter folgen State Grid (101,2 Mrd. USD), Oracle (68 Mrd. USD) und als größter Aufsteiger Samsung, das dank der hohen Nachfrage nach Rechenzentrums‑Hardware sechs Plätze gutmacht.
Neu in den Top 10 ist VISA, das seinen Markenwert um 37 Prozent auf 44 Milliarden US‑Dollar steigert – getragen von globalen Zahlungsströmen und Investitionen in digitale Infrastruktur.
Was starke Marken auszeichnet
Neben dem reinen Markenwert bewertet Brand Finance auch die Markenstärke. Hier führt Microsoft mit einem Brand Strength Index von 94,7 und der Höchstnote AAA+. Insgesamt erreichen zwölf Marken diese Kategorie.
NVIDIA folgt mit 93,9 Punkten, Deloitte mit 93,3, Michelin mit 93,2. Die Analyse betont, dass starke Marken nicht nur bekannt sind, sondern Vertrauen, Konsistenz und klare Positionierung über Ländergrenzen hinweg aufbauen.
Marke als strategisches Asset
Die Studie macht deutlich, dass Markenführung im B2B‑Kontext längst nicht mehr als Marketingthema betrachtet werden kann. Sie beeinflusst Finanzierungskosten, Marktwert und Krisenresilienz und damit zentrale betriebswirtschaftliche Kennzahlen.
Frauke Jacoby 27.05.2026

