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Ralf Hüttner ließ sich Kraftwerk-typisch offensichtlich mit Hilfe von KI hinter (s)einem Smartphone für die Kampagne abbilden - Foto: FAZ

Kraftwerk-Gründer Ralf Hütter ist neuer kluger Kopf der FAZ

Vor 21 Jahren „launchte“ die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) die Kampagne „Dahinter steckt immer ein kluger Kopf“ und erregte seinerzeit damit großes Aufsehen. Dabei waren weder Titel noch Claim der so anderen Kommunikation neu. Vielmehr hatte der ehemalige Werber und heutige Medienunternehmer Sebastian Turner die bereits seit 1960 existierende Kampagne reaktiviert und vor allem modernisiert. Ursprünglich zeigte die sie eine sitzende männliche Person auf einem imaginären Stuhl, das rechte Bein über das linke geschlagen. Oberkörper und Gesicht sind von der ausgebreiteten Zeitung komplett verdeckt und nur die Finger der zeitungshaltenden Hände können erkannt werden. Später wurde auch eine weibliche Fassung der Werbung, mit einem knielangen Rock und Frauenschuhen, gezeichnet.

Seit 1995 wurde das Motiv immer wieder mit herausragenden Persönlichkeiten aus allen Bereichen der Gesellschaft zu neuem Leben erweckt. Ähnlich zur Urfassung ist nur noch, dass alle Protagonist:innen auf einem Stil sitzend, die Zeitung lesend, posieren. Das jeweilige Umfeld soll Rückschlüsse auf die verdeckte Person zulassen, ihr Name wird lediglich am Rand der Anzeige, klein gedruckt, erwähnt.

In der aktuellen Auflage ist es der Ausnahmemusiker Ralf Hüttner, der heute seinen 80. Geburtstag begeht und für die Kampagne passender Weise einer digitalen Ausgabe der Zeitung gezeigt wird.

Hüttner gilt als Pionier der Electro-Musik und hat mit seinem Lebenswerk Geschichte geschrieben. Die Elektro-Popband Kraftwerk zählt zu den einflussreichsten Multimedia-Projekten der Welt. Mit ihrem präzisen, maschinellen Klang legte Kraftwerk das Fundament für Stile wie Electro, Synthiepop, Hip Hop und Techno. 2014 wurde Ralf Hütter mit dem Lifetime Achievement Award bei den Grammys ausgezeichnet und 2021 in die Rock & Roll Hall of Fame aufgenommen.

Bis heute ist Hütters Wirken von einer Vision geprägt: der Symbiose zwischen Mensch und Maschine. Das neue Motiv der Kampagne „Dahinter steckt immer ein kluger Kopf“ greift diese Kombination auf. Während die Kampagne die klugen Köpfe üblicherweise hinter einer Printausgabe ablichtet, war schnell klar: Der Pionier der Electro-Musik liest die F.A.Z. digital und verbirgt seinen Kopf hinter einem Smartphone. Überragt wird Hütter in dem von ihm konzipierten Foto dabei von seinem Roboter, der die FAZ ebenfalls digital liest.

Dabei ist der Roboter „Geschichte“: Bereits Mitte der 1970er-Jahre begannen Kraftwerk damit, sich bei Presseauftritten, auf Albumcovern und auch bei Live-Performances durch lebensgroße Schaufensterpuppen und Roboter vertreten zu lassen – wobei die Grenzen zwischen künstlerischem Akt und hintergründigem Humor bewusst verschwammen.

Der Durchbruch gelang 1974 mit dem Album „Autobahn". Der gleichnamige Titeltrack avancierte zum Welthit und etablierte einen neuen, minimalistischen Sound. Es folgten Konzeptalben wie „Radio-Aktivität" (1975), „Trans Europa Express" (1977) und „Die Mensch-Maschine" (1978), „Computerwelt" (1981), „Techno Pop" (1986), „The Mix" (1991) und „Tour de France" (2003).

Wobei Titel wie „Das Model", „Computer Liebe" und „Die Roboter" zeigen, dass Hütter sich früh mit Themen beschäftigte, die heute aktueller sind, denn je. Und während die Welt über Chancen und Risiken künstlicher Intelligenz diskutiert, bezieht Ralf Hütter Stellung zu den technologischen Entwicklungen und sagt anlässlich des neuen FAZ-Motivs: „Wir brauchen keine künstliche Intelligenz – wir brauchen künstlerische Intelligenz."

Yamina Grossmann, Leiterin Zentrales Marketing bei der FAZ: „Ralf Hütter hat mit Kraftwerk Themen wie Technologie, Mobilität und Mensch-Maschine-Beziehungen künstlerisch verhandelt, lange bevor sie den öffentlichen Diskurs so deutlich bestimmten. Eine Persönlichkeit mit dieser Prägekraft ist ein kluger Kopf für unsere Kampagne – und dass dieses Motiv ihn mit der digitalen Ausgabe zeigt, ist eine Verbeugung vor seinem Pioniergeist."

Matthias Spaetgens, Partner und Chief Creative Officer von Scholz & Friends: „Mit Ralf Hütter haben wir das ikonische Versteckspiel hinter der Zeitung weiterentwickelt und zeigen den klugen Kopf erstmals hinter dem Smartphone. Der Mann, der die elektronische Musik maßgeblich prägte, zeigt auch als Zeitungsleser die Verbindung zwischen Mensch und Technik.“

Margot Friedländer hinter einer FAZ inmitten des Berliner Holocaust Mahnmals - Foto: FAZ

Die mehrfach preisgekrönte FAZ-Kampagne „Dahinter steckt immer ein kluger Kopf“ greift gesellschaftliche Themen und Ereignisse fotografisch auf. Mit Ralf Hütter haben sich nun 102 herausragende Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft für die Serie hinter der aufgeschlagenen Zeitung fotografieren lassen. Wovon das 100. Motiv mit Margot Friedländer in der jüngsten Vergangenheit besonders große Aufmerksamkeit genoss. So konnte die von Anfang an mit der Kampagne betraute Agentur Scholz & Friends damit unter anderem einen Grand Prix bei den Cannes Lions gewinnen.