
Mit dem Upgrade des Messsystems will Kerstin Niederauer-Kopf, Vorsitzende der Geschäftsführung der AGF Videoforschung, neue Entscheidungsgrundlagen für die Werbevermarktung schaffen - Foto: Mara Monetti Fotografie
AGF Forum 2026
AGF baut Bewegtbildmessung um
Die AGF Videoforschung stellt ihre Bewegtbildmessung neu auf. Auf dem AGF Forum 2026 in Frankfurt präsentierte das Joint-Industry-Committee vor rund 300 Vertreter:innen aus Medien, Werbung und Forschung eine Roadmap für ein System-Upgrade, das ab 2028 zum neuen Bewegtbildstandard werden soll.
Im Zentrum stehen fünf miteinander verknüpfte Entwicklungsfelder. Die AGF will künftig HbbTV-Rückkanaldaten in die lineare TV-Messung integrieren. Zum bestehenden repräsentativen Panel kommen dabei anonymisierte Gerätedaten hinzu. Die Zahl der real gemessenen Geräte soll von derzeit mehr als 1,7 Millionen perspektivisch auf rund 3,4 Millionen steigen. Damit sollen insbesondere fragmentierte Nutzung und kleinere Zielgruppen stabiler erfasst werden.
Für Connected-TV ist eine eigene Gerätekategorie vorgesehen, die Streaming und Static-Display auf dem großen Bildschirm ebenso berücksichtigt wie gemeinschaftliche Nutzung. Ergänzt wird die Architektur durch ein virtuelles Panel mit rund 800.000 synthetischen Fällen, das lineares Fernsehen, Streaming und Static-Display auf Personenebene dedupliziert zusammenführen soll.
Auch die digitale Messung wird überarbeitet. Statt ausschließlich mit vorab definierten Aggregaten zu arbeiten soll das neue Digitaldatenmodell Nutzungselemente bis hin zu einzelnen Videos abbilden. Auf dieser Basis sollen sich Nettoreichweiten für frei kombinierbare Angebote und Zeiträume berechnen lassen.
Für den Werbemarkt besonders relevant ist das geplante Crossmedia-Campaign-Measurement. Nach der Ausspielung sollen Bewegtbildkampagnen medien- und kanalübergreifend ausgewertet werden können: Konkret will die AGF dem Markt unter anderem mit deduplizierten Nettoreichweiten, Zielgruppenstrukturen und inkrementellen Reichweiten zur Verfügung stellen. Über Kampagnen-IDs und Metadaten sollen die Ergebnisse zudem in Reporting-Systeme integriert werden.
Dabei ist 2027 als Übergangs- und Testphase vorgesehen. Die einzelnen Komponenten sollen schrittweise erprobt und in einen Parallelbetrieb überführt werden. Ab Januar 2028 soll der neue Datenbestand den bisherigen Standard vollständig ablösen.
AGF-Geschäftsführerin Kerstin Niederauer-Kopf betonte dabei die Bedeutung eines gemeinsamen und nachvollziehbaren Messstandards, insbesondere vor dem Hintergrund des zunehmenden Einsatzes von KI. Messdaten seien nicht nur Kennzahlen für Dashboards, sondern „Marktinfrastruktur“ und Grundlage für Investitionsentscheidungen, so Niederauer-Kopf.
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Marcel Kodura 18.09.2026

